Resch: „Almen sorgen für größere Widerstandsfähigkeit gegenüber Naturkatastrophen“

…wie wir von Almen und Almerinnen lernen können besser auf Naturkatastrophen vorbereitet zu sein

Katastrophenmanager und Berufsoffizier Christian Resch ist Geschäftsführer vom Disaster Competence Network Austria (DCNA), einem gemeinnützigen Verein, der sich um Forschung und Kommunikation im Bereich des Katastrophenschutzes kümmert. Es ist eine Kooperationsplattform von Universitäten und Forschungseinrichtungen rund um die Sicherheits- und Katastrophenforschung, die 2017 von der Technischen Universität Graz und der Universität für Bodenkultur Wien gegründet wurde und zahlreiche Einrichtungen Österreichs in diesem Bereich umfasst.

In welchen Bereichen erforschen Sie die Almen?

Christian Resch: Wir haben noch nicht spezifisch Forschungen zu Almen, aber nehmen alpine Naturgefahren in den Blick, und diese betreffen besonders auch die Almbewirtschaftung. Auf der anderen Seite können uns die Forschungen, die rund um Almgebiete von den Naturwissenschaftlern betrieben und Daten, die gesammelt werden, helfen, um besser auf Naturkatastrophen vorbereitet zu sein. Wir können den schon bestehenden großen Erfahrungsschatz von den verschiedenen Forschungsalmen, die von österreichischen Wissenschaftlern seit Jahrzehnten betrieben werden, nützen, um Szenarien zu vergleichen und zu prognostizieren. Die gesammelten Informationen können in andere, tiefergelegene Bereiche übertragen werden, um dort Früherkennungsmaßnahmen zu optimieren.
Gemeinsam mit Bundesheer, Wissenschaft und Industrie wurden kürzlich auf dem Truppenübungsplatz Seetaler Alpe in der Steiermark neue Technologien aus dem Bereich der Navigation getestet: nämlich selbstfahrende Robotersysteme. Diese könnten in Zukunft selbständig und ohne Menschen in Gefahr zu bringen Lawinenschutzbauten oder Wanderwege inspizieren. Die Systeme könnten aber auch Landwirte auf exponierten Almen im Bereich der Logistik oder Weideviehüberwachung unterstützen.

Was macht die Almen so wertvoll, um sie wissenschaftlich zu erforschen?

Christian Resch: Bewirtschaftete Almflächen bieten in puncto Katastrophenschutz Vorteile, weil dadurch allgemein mehr Stabilität der Flächen gewährleistet ist, und somit Hangrutschungen, Lawinen, Muren verhindert werden können. Außerdem sind Almen in vielen Punkten gute Referenzbeispiele, weil man in diesem Bereich mit mehreren Gefahren gleichzeitig konfrontiert ist, etwa Wildbach-Ereignisse, Lawinen, Hangrutschungen, Dürren, Wald- und Weidebrände.Bei Almerinnen und Sennerinnen ist dadurch, dass sie oben am Berg leben und arbeiten, die Eigenversorgung und Gefahrenvorsorge oft ausgereifter als bei dem Durchschnittsösterreicher, der Durchschnittsösterreicherin. D.h. Almerinnen sind stärker mit Naturgefahren, Abgeschiedenheit, Strom- und Netzausfall konfrontiert und damit zum Teil besser darauf vorbereitet. Von ihnen können wir viel lernen.

Warum ist die Erhaltung der Almen aus Sicht der Forschung wichtig?

Christian Resch: Die Erhaltung der Almen ist deshalb so bedeutsam, weil dadurch die Widerstandsfähigkeit gegenüber der Zunahme und Intensität von Naturkatastrophen weitaus größer ist als bei unbewirtschafteten Flächen. Bewirtschaftete Almen bieten gewissermaßen so auch Schutzmöglichkeiten gegenüber bewohnten und touristischen Gebieten in tieferen Lagen.

Ihr wollt mehr von der Wissenschaft von und auf der Alm erfahren? Dann klickt hier.

Vielen Dank für das Gespräch!

Christian Resch, Disaster Competence Network Austria (DCNA)