Sagen aus Landeck

Fack mit Knoschpen

Um das Jahr 1850 stieg ein Bettler langsam zur Alpe Flath oberhalb von Pians hinauf. Er war schon ein altes und klappriges Männchen, aber seine Augen und sein Verstand waren noch scharf.

Als der Bettler nur noch einen Gewehrschuss weit von der Hütte entfernt war, hörte er plötzlich ein ganz sonderbares Grunzen und Schreien. Beim Nähertreten sah der Alte sieben Schweine, die sich unter einem Baum im Morast suhlten. Aber das eine Schwein, das derart seltsam schrie, hatte dicke Holzschuhe, sogenannte Knoschpen, an den Hinterfüßen, wie sie die Almleute bei ihrer Arbeit tragen.

Erschrocken lief der Bettler zur Hütte und fragte die Sennerin: „Wie viele Facken habt ihr denn hier heroben?“
„Sechs!“, antwortete ihm die Frau.

„Ich habe aber gerade sieben Schweine gesehen“, berichtete der Bettler, „und eines hat Holzknoschpen an!“
Da liefen die Sennerin und der Hirte los, um selbst Nachschau zu halten. Schon bald kamen sie wieder zur Alm zurück und wollten den Bettler ausschelten, weil sie trotz mehrmaligen Nachzahlens nur sechs friedlich grunzende Schweine gesehen hatten.

Doch in der Hütte fanden sie den Alten ganz krank und zerschunden am Boden liegend: „Die Fack mit den Holzknoschpen ist da gewesen!“, wimmerte der Bettler mit schwacher Stimme. „Sie hat mich angeblasen und verprügelt!“
Der Hirt führte den verletzten Bettler ins Dorf hinab, aber obwohl man sich sehr um ihn bemühte, war er zwei Tage später tot.

Die Almbesitzer aber wussten wohl, wer sich da zu ihren Schweinen gesellt hatte: Vor langer Zeit hatte es auf der Alpe Flath eine böse Sennerin gegeben, welche die Schweine gequält und vernachlässigt hatte.
Nach ihrem frühen Tod war sie selbst dazu verdammt, bei den Schweinen zu leben und auf ewig als Fack mit Holzknoschpen umzugehen.

Quelle: Tiroler Sagen, (Weninger 2018: 100f.)

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