Digitale Helfer: Wie neue Technologien die Arbeit auf der Alm erleichtern

Seit Jahrhunderten gehört die Almwirtschaft zur heimischen Berglandschaft und stand immer schon vor unterschiedlichsten Herausforderungen, denen mit Anpassungen begegnet worden ist.

Heute im digitalen Zeitalter zählen zu den neuen Herausforderungen eine durch den Klimawandel bedingte veränderte Vegetation, ein anderes Futterangebot, rückläufige Auftriebszahlen der Tiere sowie eine teilweise Rückkehr großer Beutegreifer. Während früher ausreichend Hirten zur Verfügung standen, muss heute die Arbeit auf der Alm mit deutlich weniger Personal geleistet werden.

Digitale Werkzeuge als Hilfsmittel auf den Almen

Auch wenn weiterhin qualifiziertes Almpersonal und die Erfahrung der Menschen auf der Alm unersetzlich sind, können digitale Werkzeuge die Arbeit auf der Alm erleichtern. Grundsätzlich können Arbeitszeit eingespart, Kontrollen erleichtert und Hilfestellung bei Entscheidungen gegeben werden.

Die digitalen Hilfsmittel sind bei den unterschiedlichsten Abläufen und Prozessen auf den Almen einsetzbar. Bei der Planung des Almauftriebs zeigen Satellitenbilder, wie weit der Schnee zurückgegangen ist und wann die Vegetation beginnt. Über frei verfügbare Daten, etwa aus dem Copernicus-Programm, lassen sich Almflächen beobachten. In Kombination mit der Kontrolle vor Ort und der jahrelangen Erfahrung kann so der richtige Zeitpunkt für den Auftrieb besser eingeschätzt werden.

Auch bei der Tiererfassung bringen digitale Systeme zahlreiche Vorteile. Elektronische Ohrmarken können beispielsweise mit Lesegeräten aus kurzer Distanz erfasst werden. In Kombination mit einer elektronischen Waage werden Ohrmarke und Gewicht automatisch gespeichert. Zusätzlich können Besitzer, Tiername oder Behandlungsdaten hinterlegt werden. Das erleichtert bei größeren Herden den Auf- und Abtrieb, reduziert Fehler und spart Arbeitszeit.

Ortung von Tieren via GPS-Tracker oder Drohnen

Ein weiterer Bereich, in dem auf den Almen die Digitalisierung Einkehr gehalten hat, ist die Ortung von Tieren. Hier helfen GPS-Tracker, Tiere auf weitläufigen Almflächen schneller zu finden. Konkret werden die Positionen je nach Lösung über Mobilfunk oder über eine eigene Antenne übertragen. Auch Drohnen werden immer öfter zur Tiersuche eingesetzt. Mit Kameras oder Wärmebildtechnik werden größere Flächen aus der Luft kontrolliert und Informationen gesammelt, wo sich die Tiere gerade aufhalten. Besonders hilfreich ist das in unübersichtlichem Gelände oder in den frühen Morgenstunden. Entscheidend ist jedoch, dass gesetzliche Vorgaben unbedingt eingehalten werden müssen: Für schwerere Drohnen oder Drohnen mit Wärmebildkamera braucht es Berechtigungen, Registrierung und Versicherung. Und Einsätze bei Wind und Regen sind eingeschränkt möglich.

Technisch ausgefeilte Zaunsysteme als Ergänzung beim Herdenschutz

Bei der Sicherung von Almflächen spielen auch moderne Zaunsysteme eine größere Rolle. Smarte Elektrozaungeräte überwachen den Zustand des Zauns, melden Spannungsabfälle und zeigen die aktuelle Leistung an. Über Apps lässt sich kontrollieren, ob der Zaun funktioniert. Das spart Wege, etwa wenn ein beschädigtes Zaunseil gefunden werden muss. Gerade beim Herdenschutz können solche Systeme eine wichtige Ergänzung sein. Viel diskutiert wird auch der virtuelle Zaun. Dabei trägt jedes Tier ein elektronisches Halsband. Nähert es sich einer festgelegten Grenze, ertönt ein Warnton. Wird die Grenze überschritten, folgt ein elektrischer Impuls, der schwächer ist als bei herkömmlichen Weidezäunen. Wichtig: In Österreich ist die Anwendung derzeit tierschutzrechtlich verboten.

Künstliche Intelligenz eröffnet auch auf den Almen neue Chancen

Die rasante Entwicklung in Sachen Künstlicher Intelligenz macht auch vor der Almwirtschaft nicht Halt. Der Blick in die nahe Zukunft zeigt, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz auch viele Chancen für die heimischen Almen bieten könnte. Denkbar sind hier beispielsweise Kamerasysteme zur frühen Krankheitserkennung der Tiere, aber auch Sensoren zur Erfassung von Vitaldaten oder Systeme, die auf nahendes Abkalben hinweisen. Damit könnten Tiergesundheit und Betreuung verbessert werden.

Bei allen technologischen Möglichkeiten in der Almwirtschaft muss eines klar sein: Die Erfahrung der Almbauern und Hirten ist durch nichts zu ersetzen. Digitale Helfer können aber je nach Bereich ergänzend eingesetzt werden, damit die Herausforderungen auf den Almen einfacher zu bewältigen sind.

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