Im Gespräch mit „Unsere Almen“ erzählt Natalie, warum die Alm weit mehr als ein schöner Arbeitsplatz ist, warum sie ihren Alltag mit Tausenden Menschen auf Social Media teilt und welche Bedeutung Nachhaltigkeit für sie hat.
Natalie, Landwirtschaft begleitet dich schon dein ganzes Leben. War für dich immer klar, dass du einmal selbst auf einem Hof leben wirst?
Die Liebe zu den Tieren und zur Natur wurde mir tatsächlich in die Wiege gelegt. Ich bin selbst auf einem alten Bergbauernhof auf über 1.000 Metern Seehöhe aufgewachsen. Meine Großeltern und mein Onkel haben den Hof wesentlich geprägt und mir unglaublich viel Wissen mitgegeben. Diese Kindheit hat mich sehr geprägt. Heute lebe ich mit meinem Partner, seinen Eltern und unseren Kindern gemeinsam auf dem Hof.Hof. Natürlich bringt das manchmal Herausforderungen mit sich, vor allem aber viele Vorteile, weil wir uns gegenseitig unterstützen und die Arbeit teilen können.






Welche Rolle spielt die Alm für euren Betrieb?
Unsere Modereralm ist für uns das Herzstück des Sommers. Von Mai bis Oktober sind unsere Rinder dort oben. Das ist für die Tiere wunderbar, weil sie sich viel bewegen können, unterschiedliche Kräuter fressen und sehr natürlich leben. Gleichzeitig erfüllen sie eine wichtige Aufgabe für die Landschaft: Ohne Beweidung würden viele Almflächen langsam verbuschen und zuwachsen. Für mich zeigt sich auf der Alm sehr unmittelbar, wie Landwirtschaft und Naturschutz zusammengehören.
Auf Instagram folgen viele Menschen deinem Alltag als Bergbäuerin. Warum hast du mit „natis_bergbauernleben“ begonnen?
Viele Menschen haben heute kaum noch direkten Kontakt zur Landwirtschaft. Ich möchte zeigen, wie unser Alltag tatsächlich aussieht – die schönen Seiten, aber genauso die Herausforderungen. Wo Lebensmittel herkommen, wie viel Arbeit dahintersteckt und warum es Landwirtschaft braucht, um unsere Kulturlandschaft zu erhalten. Social Media bietet mir die Möglichkeit, Menschen mitzunehmen, die sonst vielleicht nie einen Bauernhof oder eine Alm aus der Nähe erleben würden.
Ist dir dabei wichtig, kein romantisiertes Bild vom Leben am Bauernhof zu zeigen?
Ja, unbedingt. Natürlich gibt es wunderschöne Momente – wenn man auf der Alm steht, die Tiere gesund sind und man sieht, wofür man arbeitet. Aber Landwirtschaft bedeutet auch Verantwortung, körperliche Arbeit und Tage, an denen nicht alles nach Plan läuft. Genau diese Mischung möchte ich zeigen. Mir geht es um einen ehrlichen Einblick und nicht darum, eine perfekte Welt darzustellen.


Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der heute sehr oft verwendet wird. Was bedeutet er konkret auf eurem Hof?
Für uns ist Nachhaltigkeit keine Theorie, sondern tägliche Arbeit. Wir verzichten auf künstliche Dünge- und Pflanzenschutzmittel und versuchen, mit den Ressourcen zu arbeiten, die uns zur Verfügung stehen. Unser Wasser kommt aus einer eigenen Bergquelle, das Abwasser wird über eine Kleinkläranlage aufbereitet. Im Winter heizen wir mit Holz aus unserem Wald, im Sommer unterstützt uns eine Solaranlage bei der Warmwasserbereitung. Auch bei Lebensmitteln versuchen wir, möglichst viel selbst zu erzeugen, regional einzukaufen oder mit Nachbarn zu tauschen.
Was wünschst du dir für die Zukunft deines Hofes und deiner Alm?
Ich habe viele Ideen und Träume, aber nicht alles muss heute schon bis ins Detail feststehen. Wichtig ist mir, dass unser Hof, unsere Tiere und unsere Alm auch in Zukunft Bestand haben. Wir wollen Tradition weitertragen, gleichzeitig aber offen für Neues bleiben. Ich glaube fest daran, dass eine Landwirtschaft, die mit der Natur arbeitet, regionale Kreisläufe stärkt und den Menschen erklärt, was sie tut, eine Zukunft hat.
Bilder: Tamara Meile; Natalie Schlatzer
Weitere spannende Beiträge von unseren Almen:
- Zwischen Alltag und Bergwiese – Mein Leben als Bergbäuerin
- Früh aus den Federn – frisch auf den Tisch – Das Almleben auf der Filzmoosalm
- Wir haben unseren Traum im Internet gefunden
- „Ich habe in der Jugend jeden Urlaub auf der Alm verbracht“
- „Zwischen Vision, Muskelkater & dem Traum von der Alm“