Sicher unterwegs in den Bergen und auf den Almen – mit und ohne Hund

Am 31. August 2025 wurde ein älteres Ehepaar in unmittelbarer Nähe zur AV-Hütte der Sektion Austria im Gemeindegebiet von Ramsau am Dachstein von einigen Mutterkühen attackiert. Der Mann kam dabei ums Leben und seine Frau erlitt schwerste Verletzungen, an denen sie bis auf den heutigen Tag laboriert.

Vor diesem tragischen Hintergrund fand Anfang Mai d.J. im Dachstein Event Zentrum Ramsau ein Treffen zahlreicher sogenannter „Lebensraumpartner“ statt. Eingeladen hatte die Sektion Alpenverein Austria gemeinsam mit regionalen Vertretern aus Landwirtschaft, Tourismus, Bergrettung und Gemeinden. Auch unser Almfuchs war als Vertreter der Almwirtschaft dabei. Ziel ist es, in der Region südlicher Dachstein ein Pilotprojekt zu entwickeln, das neue Wege im Umgang mit Konflikten zwischen Almwirtschaft und Freizeitnutzung aufzeigt.

Im Videointerview erklärt Peter Kapelari, der von der Sektion Austria engagierte Fachmann für Wegesicherheit im alpinen Raum und erfahrener Almhirte, warum es dabei ausdrücklich nicht um Schuldzuweisungen oder symbolische Debatten geht, sondern um ein gemeinsames, praxisnahes Risikomanagement. Denn eines wurde bei den bisherigen Gesprächen deutlich: Die klassischen Maßnahmen – Hinweisschilder, Informationsfolder oder allgemeine Verhaltensregeln – reichen alleine oft nicht mehr aus, um gefährliche Situationen wirksam zu verhindern.

Mehr Mutterkühe, mehr Hunde und immer weniger „Vorwissen“
Die Ausgangslage ist komplex. Einerseits erleben die Berge und Almen seit Jahren einen starken Besucherzuwachs. Andererseits stehen die Bäuerinnen und Bauern zunehmend unter Druck, weil viele Weideflächen gleichzeitig intensiv touristisch genutzt werden. Besonders Mutterkuhherden gelten in Verbindung mit Hunden als sensibel. Gleichzeitig ist die Alm aber kein Freizeitpark, sondern ein jahrhundertealter Wirtschafts- und Lebensraum, dessen Bewirtschaftung wesentlich zur Offenhaltung der Landschaft beiträgt.

Genau hier setzt das geplante Pilotprojekt an. Im ersten Schritt sollen umfassende Grundlagendaten erhoben werden: bestehende Wanderwege, Besucherfrequenzen, Weidegebiete, Viehtriebrouten, Zäune, Gefahrenstellen oder touristische Hotspots. Unterstützt wird die Initiative dabei unter anderem durch digitale Werkzeuge wie Besucher-Heatmaps sowie durch wissenschaftliche Begleitung des Instituts für Geographie der Universität Innsbruck.

Auf Basis dieser Daten sollen anschließend gemeinsam mit allen Beteiligten konkrete Maßnahmen entwickelt werden. Diskutiert werden organisatorische Lösungen wie zeitliche oder räumliche Besucherlenkung ebenso wie bauliche Maßnahmen – etwa Zäune, Viehsperren oder punktuelle Wegverlegungen. Ebenso wichtig erscheint den Projektverantwortlichen aber auch eine zeitgemäße und ehrliche Risikokommunikation. Naturraumnutzer sollen besser informiert, gleichzeitig aber auch stärker in die Eigenverantwortung genommen werden.

Modellregion mit Maßnahmenmix unter Betonung der Eigenverantwortung
Bemerkenswert an der Initiative ist der ausdrücklich partnerschaftliche Zugang. Denn die Beteiligten wissen: Dauerhafte Lösungen können nur entstehen, wenn Landwirtschaft, Wegehalter, Gemeinden, Tourismus und alpine Vereine gemeinsam an einem Strang ziehen. Gerade in Regionen mit hoher touristischer Intensität braucht es gegenseitiges Verständnis statt weiterer Polarisierung.

Dass sich bei vielen bäuerlichen Familien Frust und Unmut angestaut haben, wurde im Rahmen der bisherigen Gespräche offen angesprochen. Gleichzeitig besteht aber auch die Hoffnung, dass durch das Projekt langjährige Problemstellen sichtbar gemacht und entschärft werden können. Die Ramsau könnte damit zu einer Modellregion für ein modernes Konfliktmanagement im alpinen Raum werden.

Die Ergebnisse sollen in weiterer Folge als Best-Practice-Beispiel aufbereitet und auch anderen Regionen beziehungsweise dem Landwirtschaftsministerium zur Verfügung gestellt werden. Damit hätte das Projekt weit über die Dachsteinregion hinaus Bedeutung – gerade in Zeiten, in denen die Almen immer stärker gleichzeitig Wirtschaftsraum, Naturraum, Erholungsraum und gesellschaftlicher Sehnsuchtsort sind.

Das Interview zu den Hintergründen und Zielsetzungen der Initiative gibt es auf unseren Instagram– und Facebook-Kanälen zu sehen.

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