Nicht, dass man mich falsch versteht: Ich habe nichts gegen Hunde und ihre Halter und Halterinnen. Mir ist auch klar, dass unsere Almen für die Augen von Hundebesitzern und ihren Lieblingen sich wie ein ideales Ausflugsziel präsentieren. Nicht aber, wenn ich mir sozusagen die Kuhbrille aufsetze. Dann nämlich sieht meinem extrem kurzsichtigen Auge selbst der kleinste Wauwau einem Wolf zum Verwechseln ähnlich.
Genau für diesen Perspektivenwechsel aber plädiert die „Hundeversteherin“ Andrea und spricht Herrli und Frauli eidringlich ins Gewissen. Denn ihre Beobachtung zeigt allzu oft:
Nicht die Hunde sind das Problem…
… oft sind es ihre Besitzer.
Denn während Andreas Hütehunde gelernt haben, Kommandos zu befolgen, Ruhe zu bewahren und sich auch in anspruchsvollen Situationen kontrollieren zu lassen, fehlt dieser Grundgehorsam bei Freizeit– und Familienhunden leider allzu oft, sagt Andrea. Da wird gebellt, gejagt, herumgerannt oder neugierig auf Weidetiere zugelaufen. Für viele Hunde mag das ein Spiel sein. Für Rinderherden ist es oft Stress.
Und Stress für die Kuh ist genau das, was die Alm nicht sein soll.
Was viele Wanderer nicht bedenken: Kühe sind keine Kuscheltiere. Vor allem Mutterkühe reagieren äußerst sensibel, wenn sie eine mögliche Gefahr für ihre Kälber wahrnehmen. Ein Hund wird von ihnen häufig nicht als harmloser Begleiter, sondern als potenzieller Angreifer wahrgenommen. Kommt dann noch Hektik ins Spiel, kann eine Situation innerhalb weniger Sekunden eskalieren.
Kuhattacken treten tatsächlich häufiger auf
Dass solche Vorfälle tragische Folgen haben können, zeigt sich leider immer wieder und – wenn man so will – „gehäuft“ in den letzten Jahren. Gab es zwischen 2005 und 2014 gerade einmal zwei tödliche Kuhattacken in Österreich so kamen 2024, 2025 und heuer erst vor wenigen Wochen in Osttirol jeweils Menschen zu Tode.
Im letzteren Fall nicht auf einer Alm, sondern auf einer Weide zur Vorbereitung auf diese. Nach Zeugenaussagen war die Herde bereits zuvor durch Hunde auf der Weide erheblich aufgeregt worden. Besonders bitter: Das betroffene Paar selbst hatte gar keinen Hund dabei. Die Frau verstarb an ihren Verletzungen und der Mann musste schwer verletzt in die Innsbrucker Klinik geflogen werden.
Der Vorfall zeigt, dass das Verhalten einzelner Hundehalter Auswirkungen auf viele andere Menschen haben kann.
Bewusstsein, Eigenverantwortung, Respekt
Wer mit seinem Hund auf die Alm geht, sollte ehrlich zu sich selbst sein. Hört mein Hund zuverlässig auf Kommandos? Kann ich ihn jederzeit zurückrufen? Bleibt er ruhig, wenn andere Tiere auftauchen? Kann er auf engem Weg an einer Herde vorbeigehen, ohne Stress zu verursachen?
Wenn die Antwort auf eine dieser Fragen „eher nicht“ lautet, dann ist Nachschulung vielleicht die bessere Investition als die nächste Hightech-Hundeleine und bis dahin sollte man auf den Almbesuch verzichten.
Die Almen sind kein Hundetrainingsplatz. Sie sind Arbeitsräume. Hier leben und arbeiten Menschen mit ihren Tieren. Hier wird Landwirtschaft betrieben. Und hier tragen alle Verantwortung für ein respektvolles Miteinander.
Manche Hundebesitzer machen das übrigens vorbildlich. Sie führen ihre Hunde kontrolliert, respektieren Hinweisschilder und halten ausreichend Abstand zu Weidetieren. Genau so funktioniert das Zusammenleben auf unseren Bergen.
Vielleicht braucht es deshalb weniger neue Regeln und mehr Bewusstsein und davon abgeleiteter Respekt.
Ein gut erzogener Hund macht auf der Alm keine Probleme. Ein schlecht erzogener Hund hingegen sehr wohl. Und dann reicht dieser eine Hund womöglich aus, um das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen zu bringen.
Die Freiheit auf unseren Almen ist ein großes Geschenk. Aber wie jedes Geschenk, funktioniert sie nur dann, wenn man verantwortungsvoll damit umgeht.
Alles Wissenswerte für euren nächsten Besuch auf der Alm lest ihr hier:
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