Keine Angst vor Kühen!

Richtiges Verhalten auf der Alm schützt vor unliebsamen Begegnungen.

Immer wieder ist zu lesen, dass es gefährliche Begegnungen zwischen Menschen und Kühen auf den Almen gibt. Dabei kann es – selten aber doch – sogar zu ernsten Verletzungen kommen – vor allem wenn Hunde die Wanderer begleiten. Um solchen Situationen aus dem Weg zu gehen, sollte man einige Empfehlungen beachten und einhalten.

Reinhold Jäger, Bergbauer im Nebenerwerb, Biologieprofessor und Alpmeister der Gemeindealpen Zanders und Gogles in Fließ, gibt nützliche Hinweise für einen entspannten Wanderausflug.

Grundsätzlich einmal muss man wissen, dass Almtiere jedweder Art keine Schmusetiere sind. Eine Begegnung mit Respekt und Abstand ist für beide Seiten auf jeden Fall das Gebot der Stunde. Dann ist es wichtig zu wissen, dass es auf den Almen verschiedene Arten von Kuhherden gibt:

Am sensibelsten ist die Situation Mutterkühe mit ihren Kälbern. Die Jungtiere sind von Haus aus neugierig und verspielt und laufen gerne auf Wanderer und ihre Hunde zu. Die Mutterkuh kann aber nicht einschätzen, ob vom Wanderer und / oder dem Hund Gefahr ausgeht und ist daher instinktiv darauf eingerichtet, ihr Kalb in jedem Fall zu verteidigen. Am besten geht man in gebührendem Abstand mit dem angeleinten Hund langsam an der Herde vorbei – die Kühe dabei niemals aus den Augen lassen und den Tieren nicht den Rücken zuwenden. Falls es doch zu einer Angriffssituation kommen sollte, muss der Hund von der Leine gelassen werden. Auf keinen Fall aufheben und ihn beschützen wollen – so wird man selbst zum Ziel des Angriffs. Ein Hund ist im Normalfall schnell genug, um sich selbstständig aus der Gefahrenzone wegbewegen zu können. Wichtig ist Ruhe zu bewahren und das Weidegebiet zügig aber nicht hektisch zu verlassen.

Dann gibt es Herden, die nur aus Jungtieren bestehen. Hier kann es bei freudigen und verspielten Begegnungen mit Wanderern leicht zu unkontrollierten Zusammenstößen kommen. Diese sind dann zwar vom Tier nicht beabsichtigt, können aber trotzdem für den Menschen schmerzvoll enden. Auch hier ist der beste Rat, ruhig und mit Abstand an den Tieren vorbeizugehen. Denn auch wenn diese noch so niedlich aussehen und zutraulich sind – die Alm ist kein Streichelzoo und Kühe sind keine Haustiere. Fütterungsversuche sind in jedem Fall bei jedem Almtier zu unterlassen.

Zu guter Letzt gibt es Herden mit Milchkühen. Diese werden regelmäßig gemolken und sind so einen engen Kontakt mit Menschen gewohnt. Grundsätzlich geht von dieser friedlichen Herde die kleinste Gefahr aus. Ein Restrisiko bleibt aber immer bestehen – deshalb gilt auch hier die Abstandsregel. Fotos und Selfies sind in keinem Fall empfehlenswert. Wenn man auf den markierten Wanderwegen bleibt, die Weidezäune immer geschlossen hält und keinen unnötigen Lärm verursacht, sollte die Wanderung gefahrlos und für alle Seiten stresslos verlaufen.

Abschließend betont Reinhold Jäger noch einmal die Wichtigkeit eines respektvollen Miteianders zwischen Mensch, Tier und Natur: „Almen sind wichtige nicht wegzudenkende Lebensräume für uns alle. Nur wenn wir uns gemeinsam mit Respekt und Achtsamkeit an die Regeln halten, die im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende entstanden sind, können wir die gewachsene Kulturlandschaft Alm noch für viele Nachfolgegenerationen erhalten.“

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