Singen, Juchizen und Jodeln

…auf der Alm

Dіе Τyrοlеr ѕаnd οſtеn ѕο lυѕtіg ѕο ſrοh, […]
Sіе jοdlеn υnd ѕіngеn υnd thυn ѕісh brаν υm 

Und hȕрſеn υnd ѕрrіngеn ɯіе dіе Gеmѕеn hеrυm.

Singen, juchizen und jodeln war früher erforderlich, um sich im Gebirge über weite Distanzen von Alm zu Alm verständigen zu können. Heutzutage ist es zur bekannten und geliebten Tradition geworden.

Im Vergleich zum Singen wird beim Jodeln eine Tonfolge ohne Text mit schnellem Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme vorgetragen. Diese Art von Singtechnik findet sich in verschiedensten Kulturen auf der ganzen Welt wieder.

Die Anfänge des Jodelns gehen voraussichtlich auf gebirgige Gebiete auf der ganzen Welt zurück. Wo immer weite Distanzen herrschten, verständigten sich Hirt:innen und Sammler:innen mit akustischen Signalen wie Jodeln. Auch Almrufe oder Juchitzer kamen zum Einsatz, um über die Almen hinweg zu kommunizieren oder das Vieh anzulocken. Während beim Juchizen ein veränderbarer sehr hoher Ton schrittweise abfällt, haben Almrufe zumeist einen fixen Melodieverlauf.

Außerdem gab es früher den Brauch, dass sich alle Besucher:innen bei Ankunft der Alm mit einem Juchitzer anmeldeten. Dies drückte die Freude über den geschafften Anstieg aus. Auch die – dazumal vorwiegend weiblichen – Sennerinnen schickten dem Gast bei Verlassen der Alm noch einen Juchitzer nach. Zusätzlich verhalfen Juchizer Liebespärchen dabei, sich miteinander zu verständigen.

In späterer Zeit hat sich das Jodeln als Kunstform in die Volksmusik integriert. Im Alpenraum wird meist zwei- oder dreistimmig gejodelt und bildet den Schlussrefrain von Volkliedern. Jodeln reicht von kräftigen Rufen bis hin zu mehrstimmigen Gesängen und zeichnet sich durch deutliche Intervallsprünge aus.

In Österreich ist das Jodeln vor allem in Tirol und in der Steiermark am weitesten verbreitet. Beim Jodeln werden nur Silben verwendet, die nahezu abwechselnd aus Vokalen und Konsonanten bestehen. Beispielweise: hol-la-di-o, dul-je, dje-ho-ri-ridl, di-ri-di-ri-a-ha! Die Verwendung dieser Silben kommt keineswegs von irgendwoher. Denn der menschliche Stimmapparat bestimmt, welche Vokale sich am besten eignen, um über weite Distanzen zu kommunizieren. So unterstützen geschlossene Vokale, wie i oder ü eher die Kopfstimme, während offene Vokale, wie a oder o für die Bruststimme geeignet sind.

Sprachgeschichtlich stammt das Wort jodeln vom mittelhochdeutschen Wort johlen ab, was sich wiederum von io ableiten lässt und einen Ausruf der Freude darstellte.

Heutzutage erfährt das alte Brauchtum des Jodelns ein erneutes Aufleben. Die archaischen, aber doch vertrauten Klänge werden in modernen Jodelkursen wiederbelebt. Durch das Jodeln kann man sich auf alte Traditionen zurückbesinnen, um mit kraftvoller Lebensfreude – gemeinsam oder allein – den Körper zum Klingen zu bringen.

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