Viele Menschen suchen deshalb dieser Tage Abkühlung und flüchten vor der Hitze an die unzähligen Seen, in die Freibäder – oder auch auf die Almen in ganz Österreich. Doch auch dort sind die Temperaturen längst sommerlich, weil es auf einer Seehöhe von rund 2.000 Metern noch immer 25 Grad und auf einer Seehöhe von 1.200 Metern immerhin heiße 29 Grad hat.
Klimawandel findet auch auf den Almen statt
Tatsächlich hat der Klimawandel, den wir in diesem Sommer möglicherweise mehr als sonst spüren, auch auf den Almen längst Einzug gehalten. Neben den höheren Temperaturen wirken sich vor allem die längeren Trockenperioden und veränderten Niederschlagsmuster zunehmend auf Vegetation, Wasserversorgung, Artenvielfalt und Bewirtschaftung aus.
Wasserversorgung wird zur zentralen Frage
Das größte Thema ist die zunehmende Wasserknappheit, die vor allem heuer nach dem schneearmen Winter auf vielen Almen eingetreten ist. Es stehen deshalb schlichtweg zu geringe Wasserreserven zur Verfügung, obwohl der Bedarf der Weidetiere aufgrund der hohen Temperaturen deutlich angestiegen ist.
Neben den Tieren sind natürlich auch die Almhütten selbst auf eine verlässliche Versorgung angewiesen. Doch Quellen und Bäche, die früher über den gesamten Sommer ausreichend Wasser führten, können während längerer Trockenphasen und aufgrund der Hitzeperioden deutlich weniger ergiebig sein. Für viele Almgebiete wird es daher notwendig sein, bestehende Versorgungssysteme zu überprüfen und langfristige Lösungen für Speicherung, Verteilung und sparsame Nutzung zu entwickeln.
Veränderungen der Vegetation als Folge des Klimawandels
Die längeren Trockenphasen, die Wasserknappheit und die erste Hitzewelle im Juni machen heuer die Folgen deutlicher sichtbar als sonst: Nicht nur führen die Bäche weniger Wasser, auch das Gras auf den Almen ist viel trockener als sonst. Zudem breiten sich Pflanzenarten in Höhenlagen aus, in denen sie früher kaum vorkamen. Grundsätzlich verschiebt sich auch die Vegetation weiter nach oben: Die Baumgrenze wandert nach oben, weshalb in manchen Bereichen mehr Biomasse und Futter wächst.
Damit Weideflächen auf den Almen nicht verbuschen, muss das Vieh rechtzeitig aufgetrieben und gezielt über die Alm geführt werden. Nur wenn möglichst alle Flächen regelmäßig abgeweidet werden, kann verhindert werden, dass Sträucher, Latschen und unerwünschte Pflanzenarten überhandnehmen. Zusätzlich ist vielerorts das sogenannte Schwenden notwendig, bei dem junge Bäume, Sträucher und Büsche händisch entfernt werden, um das Offenland zu sichern. In Zeiten zunehmender Personalknappheit ist das eine große Herausforderung.
Blaiken als sichtbare Folge klimatischer Veränderungen auf den Almen
Der Klimawandel zeigt sich auf den Almen auch durch zunehmende Erosionserscheinungen. Auf steileren Almflächen entstehen häufiger sogenannte Blaiken. Sie können sichtbare Folgen klimatischer Veränderungen in der Höhe sein. Blaiken sind kahle Stellen, die entstehen können, wenn nach längerer Trockenheit bei starken Niederschlägen Grasnarben aufbrechen. Die negative Folge sind mögliche Hangrutschungen, die nicht nur die Almen, sondern auch die Täler betreffen können.
Nur Langzeitforschung kann verlässliche Angaben über Veränderungen machen
Für verlässliche Aussagen über langfristige Veränderungen sind daher Untersuchungen über mehrere Jahrzehnte notwendig. Klar ist aber schon heute: Die Folgen steigender Temperaturen sind auch auf Österreichs Almen angekommen. Entscheidend wird sein, wie Bewirtschaftung, Wasserversorgung und Pflege der Almflächen in den kommenden Jahren an die veränderten Bedingungen angepasst werden.
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