Warum die Almwirtschaft für unsere Regionen unverzichtbar ist

…Jetzt im Sommer zeigen sich Österreichs Almen von ihrer allerschönsten Seite: Die saftig grünen Wiesen blühen, der bekannte Klang von Kuhglocken ist zu hören, zahlreiche Kräutern und viele farbige Blumen schaffen ein unvergleichliches Landschaftsbild. Alle Wanderer und Urlauber, die in diesen Wochen in den Bergen unterwegs sind, kommen in den Genuss eines einzigartigen alpinen Bergpanoramas und herrlich gepflegter Almen.

Was auf den ersten Blick nach purer Naturidylle aussieht und von Touristen oft schon als „gegeben“ hingenommen wird, ist aber das Ergebnis harter Arbeit von bis zu 7.000 Hirten, die unsere Almen erst zu dem machen, was sie sind. Gerade jetzt, wenige Wochen nach dem Almauftrieb, ist es eine besonders arbeitsreiche und intensive Zeit, weil die Almen bewirtschaftet, die Tiere versorgt und die Weiden gepflegt werden müssen.

Was oft unterschätzt wird, ist die regionale Bedeutung der Almen. Denn die 8.000 Almen im ganzen Land sind nicht nur ein wichtiger Teil der österreichischen Identität und ein wichtiges heimisches Kulturgut, sondern auch das Fundament, auf dem ganze Regionen aufbauen. Erst durch die funktionierende Almwirtschaft können unsere Regionen und Täler sicher, bewohnbar und wirtschaftlich erfolgreich sein.   

Natürliches Bollwerk gegen Naturkatastrophen

Was in der Postkartenidylle unserer Almen oft zu wenig beachtet wird, ist die aktive Schutzfunktion der Almen gegen Naturkatastrophen. Unsere Almen wirken eigentlich wie ein Bollwerk gegen Naturgewalten. Denn wenn dieser Tage auf den rund 322.000 Hektar Almweideflächen Rinder, Schafe und Ziegen die steilen Wiesen abweiden, werden nicht nur die Grasflächen auf natürliche Art und Weise gemäht.

Durch die gezielten Tritte der Tiere werden nämlich auch die Böden stabilisiert und das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen im Kampf gegen Lawinen im Winter. Klar ist: Ohne diese Bewirtschaftung wären die Täler während der Wintermonate deutlich mehr der Gefahr von Lawinen ausgesetzt, weil die Schneemassen auf dem unbeweideten, langen Gras keinen Halt finden. Die plattgedrückten Halme wirken dann wie eine Rutschbahn, auf der Lawinen ungebremst ins Tal schießen können.

Lebensraum für Artenvielfalt in den Regionen

Der zweite große Nutzen: Almen sind wichtige Lebensräume für die Artenvielfalt in den Regionen. Dass unbehandelte und unberührte Natur meist die artenreichste ist, ist ein Irrglaube – das Gegenteil ist der Fall. Es braucht eine funktionierende Almwirtschaft und die seit Jahrhunderten durchgeführte Beweidung, damit Biodiversität überhaupt erst entstehen kann.

Erst durch das Grasen der Tiere können sich unterschiedlichste Vegetationszonen entwickeln. Ohne die Bewirtschaftung unserer Almen würde die Landschaft schlichtweg verwalden und im schlimmsten Fall auch unzählige Arten für immer verschwinden.

Almen als Motor für regionale Wirtschaft

Neben Aspekten wie der Sicherheit und der Ökologie ist eine funktionierende Almwirtschaft auch der Motor für die regionale Wirtschaft und den Tourismus vor Ort. Der heimische Tourismus, der pro Jahr insgesamt 25 bis 30 Milliarden Euro Umsatz macht, wäre ohne gepflegte Almen für Touristen sowohl im Winter als auch im Sommer deutlich weniger attraktiv.

Zusätzlich zu den tausenden Menschen, die in der Almwirtschaft ihre Arbeitsplätze finden, spielt auch immer mehr die Lebensmittelproduktion auf den Almen eine wirtschaftlich wichtige Rolle. Die Herstellung der regionalen Spezialitäten auf den Almen, die dann in den Tälern und bis in andere Bundesländer verkauft werden, drückt jeder Region ihren ganz spezifischen kulinarischen Stempel auf. Würden Almen nicht bewirtschaftet und Lebensmittel dort nicht hergestellt werden, würden den Regionen essenzielle Elemente ihrer touristischen DNA fehlen – und damit auch Umsätze, die für andere regionale Projekte wichtig sind.

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