Wenn in diesen Wochen in ganz Österreich wieder der jährliche Almauftrieb beginnt und die Landwirte, Almbauern und Senner des Landes ihre hunderttausenden Nutztiere aus den Winterställen auf die Almen treiben, ist ein Thema allgegenwärtig: Die vorherrschende Trockenheit. „Die fehlenden Niederschläge führen derzeit zu großer Sorge auf den Almen, weil es einfach zu wenig Wasser gibt. In Verbindung mit dem wenigen Schnee im Winter ist das vor allem für Almen ein Thema, die von Haus aus wenig Wasser haben. Wir alle hoffen jetzt auf viel Regen, denn die Almen sind essenziell für unsere Landwirtschaft und zum Almauftrieb gibt es keine Alternative“, sagt Josef Obweger, Obmann der Almwirtschaft Österreich.
Fast 8.000 Almen in ganz Österreich werden bewirtschaftet
Der Almauftrieb ist jedes Jahr der Start in die Almsaison und für die Bewirtschaftung der Almen. Die aktuellsten Zahlen zeigen eindrucksvoll, wie umfassend die Almwirtschaft in Österreich ist und welche große Bedeutung sie für die Menschen, den Tourismus und die heimische Wirtschaft hat.
Insgesamt werden 7.971 Almen in Österreich bewirtschaftet, die meisten davon in Tirol, Kärnten und Salzburg. Knapp die Hälfte aller Almen sind Mittelalmen, das heißt in einer Höhe von etwa 1.300 bis 1.700 Metern. Die gesamte Almweidefläche umfasst österreichweit rund 322.000 Hektar, das ist größer als Vorarlberg. Jahr für Jahr werden rund 260.000 Großvieheinheiten aufgetrieben, es gibt österreichweit fast 23.000 Betriebe mit Almauftrieb. Im Vorjahr wurden im ganzen Land rund 300.000 Rinder auf die Almen gebracht, darunter rund 50.000 Milchkühe. Hinzu kommen fast 103.000 Schafe, 13.500 Ziegen sowie fast 11.000 Pferde. Laut Obmann Obweger gehen die Zahlen jedoch zurück: „Bezogen auf die Anzahl der Großvieheinheiten ist der Almauftrieb in ganz Österreich in den letzten 15 Jahren um 10 Prozent zurückgegangen. Zwar haben sich die Zahlen in den vergangenen drei Jahren stabilisiert, aber eben auf einem zu niedrigen Niveau.“ Ein weiteres Thema: Durch die Klimaerwärmung würde die Vegetation zeitlich tendenziell auch früher beginnen, während der letzten 40 Jahre waren es rund zwei Wochen. Das zieht erstens eine längere Almsaison nach sich und würde zweitens eigentlich mehr Tiere auf den Almen erfordern. Dem entgegenzuwirken, sei gar nicht so einfach, so Alm-Experte Obweger, der jedoch einen Ansatz nennt: „Die Lösung wären klare Anreize, um den Almauftrieb interessanter zu machen und demnach auch Betriebe dafür zu interessieren, die das derzeit nicht machen.“
Qualitativ hochwertige Lebensmittel und hohe Biodiversität
Die große Bedeutung unserer Almen für das ganze Land hat viel mit den Tieren zu tun. Sie tragen auf ihre ganz besondere Art und Weise zum Funktionieren der Almwirtschaft bei, pflegen mit ihrem Fressverhalten die Almen oder fördern die Biodiversität. Durch die besondere Vegetation auf den Almen und die umfassende Bewirtschaftung können hochwertige Produkte wie Milch, Butter, Almkäse, Speck und Fleisch produziert werden, mit großen Vorteilen: „Die Lebensmittel von der Alm bestechen durch einen sehr hohen gesundheitlichen Wert, was mit dem hohen Carotin-Wert und dem sehr ausgewogenen Fettsäuremuster zusammenhängt. Zudem haben die Nutztiere auf Almen die höchste Stufe des Tierwohls, was sich ebenfalls positiv auf die Qualität der Alm-Lebensmittel auswirkt“, so Bundesobmann Obweger. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei die hohe Biodiversität auf den Almen mit 30 bis 50 verschiedenen Pflanzenarten, also wesentlich mehr als bei vergleichbaren Flächen im Tal.
Funktionierende Almwirtschaft als Aushängeschild für erfolgreichen Tourismus
Klar ist: Die funktionierende heimische Almwirtschaft mit den tausenden gepflegten Almen ist eines der wichtigsten Aushängeschilder für den heimischen Sommertourismus und damit auch für die Wirtschaft. Denn der Tourismus zählt seit jeher zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Österreichs und trägt wesentlich zur heimischen Wertschöpfung und Beschäftigung bei.
Die enorme Bedeutung der Almen für den Tourismus wird durch aktuelle Daten der Statistik Austria und der Österreich Werbung untermauert: Laut einer Umfrage ist für mehr als 60 Prozent der Befragten „Natur und Landschaft“ das Hauptmotiv ihrer Entscheidung für einen Sommer-Urlaub in Österreich, mit deutlichem Abstand vor dem nächsten Motiv „Unterkunft“ – was wiederum direkt mit einer funktionierenden Almwirtschaft zusammenhängt.
Das alles würde nicht ohne die Menschen funktionieren, die die Almen tagtäglich am Laufen halten. Insgesamt sind es fast 8.000 Personen in ganz Österreich, die für die Behirtung der Almen zuständig sind. Darunter sind auch tausende Familienbetriebe, in denen das seit Jahrhunderten erworbene Wissen von Generation zu Generation weitergegeben wird. Die Entwicklung ist hier sogar eine positive: „Wir haben in den letzten Jahren mehr Hirten auf den Almen und auch das Interesse von Frauen und Quereinsteigern steigt eindeutig. Das beobachten wir insbesondere durch deren steigende Zahl bei unseren Hirtenkursen“, erklärt der Kärntner Obweger, der auch nicht mit ein wenig Kritik spart: „Viele glauben noch immer, dass Almen das gesamte Jahr immer gleich ausschauen und verkennen vielleicht die viele Arbeit dahinter. Die aktuellen Zahlen zeigen aber eindrucksvoll, wie viele Menschen und Tiere jedes Jahr Teil dieser einzigartigen Form der Landwirtschaft sind und wie viel sie leisten.
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