Spieglein, Spieglein an der Wand…

… wer ist die Schönste im ganzen Land?

Ist es die Rasse des Jahres, die Tux-Zillertaler, oder doch die Tiroler Graue mit den schönen Augen, oder die wunderbar gesprenkelte Sprinze aus dem Pustertal? Halt! schreien da die benachbarten Kärntner: Was ist mit unserem Blondvieh? Aber blonde Schönheiten aus dem Waldviertel wirft bereits Niederösterreich in den Ring. Dort warten schon Murbodner und Ennstaler Schecken, die Seltenen aus der Grünen Mark. Das Ländle führt die Montafoner Braune ins Rennen und aus Salzburg tönt es siegessicher: Wer könnte schöner sein als unsere Pinzgauerin?

Seltene Rinderrassen, allesamt eine Augenweide! Apropos Weide: Allesamt bestens für unsere Almen geeignet, weil robuster und genügsamer als unsere Hochleistungskühe.

Der nüchterne Züchter wird vielleicht einwenden: Was soll mir Schönheit? Ich will Leistung. Ich halte dagegen: Warum sollen wir unsere Kühe nicht auch (!) schön finden und auf Schönheit hin züchten? Offenbar war das eines der Ziele bei unseren jahrhundertealten, autochthonen Rassen. Wer seine Kühe schön findet, pflegt vielleicht einen anderen, einen „humaneren“ Umgang mit ihnen als jene, die beim Anblick von Kühen ausschließlich an Milch- und/oder Fleischleistung denken; als jene, die eine reine „Geschäftsbeziehung“ zum Mitgeschöpf Kuh pflegen? Auch auf Ziegen, Schafe, Hühner und ihre Züchter mag das zutreffen.

Seltene Nutztierrassen sprechen unser ästhetisches Empfinden an und sie verweigern sich einer allzu knallharten Verwertungslogik. Schon deshalb sind sie mir besonders wertvoll! Darüber hinaus auch als perfekte Nischen-Nutzer und unersetzliche, wandelnde „Genbanken“.

Ich fände es beispielsweise eine Horrorvision, würde es mit unseren Kühen so weit kommen, wie mit den Masthühnern, wo zwei Hybridrassen – mit den „klingenden Namen“ Ross 308 und Cobb 500 – 95 % des Weltmarktes beherrschen! Da stehe Gott zusammen mit den leidenschaftlichen Züchtern und Züchterinnen seltener, schöner Nutztierrassen vor!

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