Wie Bergsteiger den Verfall der Almen im 19. Jahrhundert gesehen haben

…Die Alm- und Berglandschaften in Österreich sahen Alpinisten schon im 19. Jahrhundert in Gefahr. Historiker Martin Achrainer vom österreichischen Alpenverein macht darauf in seinem Gastbeitrag aufmerksam. Heute werden von Alpenverein und Almwirtschaft Schutzwaldprojekte und Umweltbaustellen organisiert. Damit sollen die Almflächen vor ihrem Verschwinden gerettet und die sensiblen Bergflächen geschützt werden.

Der Text stammt von Martin Achrainer vom Historischen Archiv des Österreichischen Alpenvereins. Dort wird die über 150-jährige Geschichte des Vereins erforscht. Achrainer pflegt u.a. Gründungsurkunden, Statuten, Protokolle, Briefe, Festschriften, Jahrbücher, wissenschaftliche Beiträge, Zeitschriften, Medientexte, Nachlässe. Ein Teil der Texte zur Vereinsgeschichte kann hier online eingesehen werden.

Verfall der Berg- und Almlandschaft und moderne Hilfe
Nur besonders scharf beobachtenden Bergsteigern entging der langsame, aber stetige Verfall der Almen nicht, der im 19. Jahrhundert offenbar auf vielen Almgebieten erkennbar war. Wir kennen diese Erscheinungen vor allem aus den Schriften und dem aktiven Entgegenwirken des priesterlichen Wanderlehrers und „Mistapostels“ Adolf Trientl.

Ein Botaniker, Carl Nägeli, Professor in München, berichtete darüber in der Alpenvereinszeitschrift bereits 1875: „Dennoch hat die unverständige Bewirtschaftung seit Jahrhunderten auch diese Aufgabe unserer Zeit und der Zukunft gestellt. Es muss in geringerem Maße die Weide, in weit größerem der Wald wiederhergestellt werden. Rücksichtlich der Alpenweiden sind es zwei Ursachen, warum früher fruchtbare Strecken sich mit Schutt bedecken, das langsame Niederstürzen von verwitterten und zerbröckelten Gesteinsmassen und die Überschwemmungen, beide wesentlich Folgen der unvorsichtigen Ausrottung von Bäumen und Sträuchern. Der langsamen Versandung, wodurch Weiden in Schutthalden sich umwandeln, müssten je nach Umständen entweder Steindämme oder Anpflanzungen von holzigen Gewächsen, anfänglich von Sträuchern (Zwergföhren oder Laatschen und Erlen), nachher von Bäumen entgegengestellt werden.“

Schutzwaldprojekte und Umweltbaustellen helfen Berge und Almen
Über die „Wald-Verwüstung“ und die „Wald-Misshandlung“ war öfter zu lesen, und 1879 beschloss der Alpenverein vermutlich erstmals sich an Sammlungen für Aufforstungen zu beteiligen. Inwieweit diese auch Almen zugutekamen, verraten die Akten nicht. Heute jedenfalls gehen die Schutzwaldprojekte und die Umweltbaustellen, die der Alpenverein Jahr für Jahr durchführt, Hand in Hand und dienen häufig der Verbesserung von Almen.

Unser Almfuchs war bei einer solchen Kooperation zwischen Alpenverein und Almbewirtschafter im Sommer 2023 dabei. Er hat die Feichtaualm im Nationalpark Kalkalpen in Oberösterreich besucht. Auch in unmittelbarer Nachbarschaft auf der Schaumbergalm gehen Almwirtschaft und Naturschutz gemeinsame Wege.

Bilder: Martin Achrainer

Wie haben sich Alpenverein und Almwirtschaft entwickelt
Martin Achrainers historische Erklärungen gehen weiter.

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