ENSURE ist ein von der Rinderzucht Österreich initiiertes, groß angelegtes Forschungsprojekt mit einem Gesamtvolumen von rund 4 Millionen Euro. In acht Teilprojekten geht es darum, die Resilienz der Rinderwirtschaft in Zeiten großer ökologischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen zu stärken. Zwei dieser Teilprojekte sind in Tirol angesiedelt – beide mit einem klaren Fokus auf die Almwirtschaft als zentralen Bestandteil der Grünlandwirtschaft.
Eines davon nennt sich ALPTOUR. Und – nomen est omen – in diesem Projekt geht es darum, Stakeholder aus dem Tourismus und der alpinen Land- und Almwirtschaft wie zwei Zugpferde vor ein gemeinsames Ziel zu spannen, wobei die Wissenschaft die Zügel in der Hand hält, um im landwirtschaftlichen Bild zu bleiben.
Als Almfuchs und Mitarbeiter der Agrarmarketing Tirol GmbH darf ich dieses Unterfangen als Projektmanager begleiten. Die Agrarmarketing Tirol ist dabei nicht nur kommunikativ, sondern auch ganz konkret mit Cash- und In-Kind-Leistungen als Projektpartnerunternehmen beteiligt.
Ein Tisch, viele Blickwinkel – und ein gemeinsames Ziel
Beim Tiroler Kick-off kamen erstmals Vertreter und Vertreterinnen aller Projektpartner aus
- Wissenschaft (Universität Innsbruck, Agrarsoziologie),
- Landwirtschaft (Rinderzucht Tirol, Landwirtschaftskammer/Almwirtschaft Tirol),
- Tourismus und Freizeitwirtschaft (VTT, TVB Ötztal, Regiotech Pillerseetal/Leukental im Auftrag des gleichnamigem TVBs sowie der TVBs Kitzbühel und St. Johann)
zusammen.
Mein Ziel für dieses erste Treffen war bewusst kein fertiges Konzept, sondern ein offener Raum. Es ging darum
- den groben Fahrplan für die kommenden dreieinhalb Projektjahre zu skizzieren
- die Sicht auf den Status Quo aus der jeweiligen Perspektive jedes einzelnen Projektpartners zu Wort kommen zu lassen und daraus abgeleitet
- Erwartungen, Hoffnungen – und ja, auch Reibungspunkte sichtbar zu machen
Denn eines wurde einmal mehr schnell klar:
Die Alm ist kein neutraler Ort. Sie ist Produktionsraum, Lebensraum, Erholungsraum, Projektionsfläche – und emotional aufgeladen wie kaum ein anderer Teil unserer Kulturlandschaft.
Konfliktlinien? Ja. Und genau deshalb sind wir hier.
Im Gespräch wurde rasch deutlich, wo Spannungen liegen. Nur um einige zu nennen:
- zwischen intensiver und extensiver Nutzung,
- zwischen Klimazielen, Tierhaltung und Tourismuswirtschaft,
- zwischen touristischer Inwertsetzung und landwirtschaftlicher Realität.
Aber genau darin liegt die Stärke von ALPTOUR:
Diese Diskussionen sollen nicht ausgelagert oder beschönigt werden – sondern geführt.
Mit Daten, mit wissenschaftlicher Begleitung, mit regionaler Verankerung und mit dem gemeinsamen Ziel, die Almwirtschaft zukunftsfähig zu halten.
Nicht als „Disneyland“. Nicht als museales Relikt. Sondern als lebendiges System, das Leistungen für Biodiversität, Landschaft, Ernährungssouveränität und regionale Wertschöpfung erbringt – oft still, oft unterschätzt.
Warum dieses Projekt wichtig ist
Was ALPTOUR besonders macht, ist nicht nur die Forschung, sondern die Zusammenarbeit hochrangiger Stakeholder, die sich sonst selten in dieser Form und Offenheit begegnen. Dass hier Landwirtschaft, Tourismus, Wissenschaft und Regionalentwicklung gemeinsam an einem Tisch sitzen, ist schlicht ein Novum.
Es wird weiter diskutiert werden. Es wird Daten brauchen, die manchmal alles andere als leicht zu kriegen sind. Und es wird nicht überall dieselben Lösungen geben. Aber genau dafür ist dieses Projekt da.

Wir halten euch auf www.unsere-almen.at regelmäßig über den Projektfortschritt auf dem Laufenden.
Unsere Projektpartner sind herzlich eingeladen, diesen Beitrag zu teilen – denn die Alm geht uns alle an.
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