…Für manche klingt das wie ein Widerspruch in sich. Zwischen Kuhglocken, Wetterstürzen und Handarbeit soll plötzlich Hightech Einzug halten? Und doch: Auch auf der Alm bleibt die Zeit nicht stehen. Die Frage ist nicht ob, sondern wie wir digitale Werkzeuge sinnvoll einsetzen.
Ich geb’s zu: Ich war lange skeptisch. Eher der Typ AI, sprich: „Almintelligenz“ statt KI. Hausverstand, Erfahrung, ein gutes Auge für Vieh, genaue Geländekenntnisse, ein Gespür für Herdendynamiken und „Problemkandidatinnen“. Bis zu jenem Sommertag 2021. Stundenlang war ich unterwegs, auf der Suche nach ein paar galten Kühen – vergeblich. Irgendwann kam der Nachbarälpler mit seiner Drohne. Fünf Minuten später wusste er mehr als ich nach einem halben Tag. In dem Moment wurde aus dem Drohnen-Saulus ein vorsichtiger Paulus.
Seither sehe ich die Dinge differenzierter. Digitale Helfer können das Leben auf der Alm erleichtern: Man kann zumindest diskutieren über die Sinnhaftigkeit von GPS-Halsbänder, die verlorenes Vieh schneller auffindbar machen. Wetter-Apps, die präzisere Entscheidungen erlauben, Sensoren, die Wasserstände oder Weidezäune überwachen – da spricht wohl nichts dagegen. Das alles spart Zeit, Wege und Nerven – und kann im Extremfall Leben retten.
Aber: Die Technik darf nicht die Oberhand gewinnen. Die Alm ist kein durchdigitalisierter Produktionsstandort. Sie lebt vom Gespür, vom unmittelbaren Reagieren, vom Zusammenspiel mit Natur und Tier. Keine App ersetzt den Blick zum Himmel oder die tägliche Beobachtung der Tiere. „KI“ kann unterstützen – denken, handeln und Verantwortung tragen muss am Ende der Mensch.
Vielleicht liegt genau darin die Stärke der Alm im digitalen Zeitalter: als Ort der Balance. Dort, wo Fortschritt seinen Platz hat, aber nicht alles bestimmt. Und wo man trotz Drohne, Smartphone und Sensorik immer noch eines findet, was sonst selten geworden ist: echtes Abschalten. Digital Detox, bevor es dafür überhaupt einen Begriff gab.
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