Ihre Arbeit geschieht hauptsächlich im Hintergrund, fernab der großen Öffentlichkeit. Umso wichtiger ist es deshalb, Einzelne vor den Vorhang zu holen – stellvertretend für all jene, die sich jeden Tag in der Almwirtschaft bemühen. Der Nationalpark Hohe Tauern Tirol tut dies und zeichnet jährlich die Almhirtenfamilie des Jahres aus. Im heurigen Jahr geht diese Auszeichnung an Agnes und Leopold Dichtl, vulgo Krienhuber, und ihre Familie. Sie bewirtschaften die Merschenalm in Virgen und wurden aus 13 Bewerbungen zur „Almhirtenfamilie des Jahres 2026“ gewählt.
Ein Almsommer auf 2.250 Metern
Die Merschenalm liegt in Osttirol auf rund 2.250 Metern Seehöhe und seit rund sieben Jahren ist Agnes Dichtl dort als Sennerin tätig. Sie hat diese Aufgabe nach dem Tod ihrer Schwiegermutter übernommen und führt damit eine lange Familientradition weiter.
Rund 50 Rinder verbringen den Sommer auf der Alm – darunter Milchkühe, Kälber und Galtvieh. Dazu kommen Ziegen, Hühner und ein Hund. Im heurigen Sommer lebten und arbeiteten Agnes und Leopold gemeinsam mit ihrer jüngsten Tochter Leonie rund drei Monate auf der Merschenalm.
Dass der Betrieb über Generationen erhalten werden konnte, war keineswegs selbstverständlich. Bis 2025 gab es keine Zufahrtsstraße zur Alm. Der Viehauf- und -abtrieb erfolgte daher zu Fuß. Getragen wird die Bewirtschaftung bis heute von der ganzen Familie: Neben Agnes und Leopold helfen ihre fünf Kinder ebenso mit wie Geschwister und weitere Angehörige.

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Regionale Spezialitäten direkt von der Alm und viel Handarbeit
Die tägliche Arbeit der Dichtls auf der Merschenalm ist vor allem durch die Milchwirtschaft und viel Handarbeit gekennzeichnet.
Täglich werden rund 15 Kühe gemolken und die Milch wird direkt vor Ort zu Butter, Topfen, Joghurt, Buttermilch, Schotten und Graukäse verarbeitet. Ein Teil dieser Produkte wird auch in der kleinen Almausschank angeboten, wo die Gäste Hausgemachtes bekommen: Brot und Speck ebenso wie Kuchen, Milchprodukte und Säfte. Damit zählt die Merschenalm zu jenen Almen im Nationalpark Hohe Tauern Tirol, auf denen Milchwirtschaft, Direktvermarktung und Bewirtung noch eng miteinander verbunden sind.
Viel Arbeit auf der Merschenalm geschieht mit der Hand: Das gemähte Gras wird zum Trocknen auf traditionelle Harpfen gehängt, das Heu anschließend in geflochtenen Körben in den Stadl gebracht. Auch das Ausbringen des Mists erfolgt auf einzelnen Flächen noch mit Schubkarre, Gabel und Rechen.
Nationalparkverwaltung Tirol: „Familie trägt dazu bei, vielfältige Kulturlandschaft und Lebensräume zu erhalten“
Die Nationalparkverwaltung würdigt insbesondere den Einsatz der Familie: „Familie Dichtl ist seit Generationen für die erfolgreiche Zucht von robustem Fleckvieh bekannt. Mit dem jährlichen Auftrieb ihrer Rinder und viel persönlichem Einsatz trägt unsere heurige Almhirtenfamilie dazu bei, die vielfältige Kulturlandschaft und die artenreichen Lebensräume im Nationalpark Hohe Tauern zu erhalten“, sagt Thomas Steiner von der Nationalparkverwaltung Tirol.
Doch eines ist auch klar: Die Auszeichnung für Familie Dichtl steht stellvertretend für alle Menschen, die Sommer für Sommer Verantwortung auf Österreichs Almen übernehmen und mit ihrer harten Arbeit Almen zu einem unverwechselbaren Teil unserer Kulturlandschaft machen.
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