Saftig grüne Almwiesen, weitläufige Weideflächen und Tausende grasende Rinder: Die Teichalm-Sommeralm in der Steiermark, etwa 30 Kilometer nördlich von Graz, ist Teil des Naturparks Almenland und das größte zusammenhängende Niederalm-Weidegebiet Mitteleuropas. Mit der Teichalm als zentralem und pulsierendem Knotenpunkt umfasst das Gebiet insgesamt 142 zusammenhängende Almen.
Größe von rund 5.000 Fußballfeldern und mehr als 3.000 Rinder
Die Kombination aus Almlandschaft, Moorlandschaft und Freizeitangebot auf einer Seehöhe von 1.200 bis 1.400 Metern sieht auf den ersten Blick wie ein idyllisches Ausflugsziel für Wanderer aus. Tatsächlich verbindet dieses Gebiet nicht nur Landwirtschaft, Tierwohl und regionale Wertschöpfung auf eine einzigartige Weise, sondern ist vor allem das Ergebnis jahrhundertelanger harter Arbeit. Standen in diesem Gebiet vor rund 500 Jahren noch Bäume und nach der Rodung Glashütten, trieben die Bauern ihre Tiere nach und nach auf die Alm, wodurch sich dort die Almwirtschaft entwickelte. Heute umfasst die reine Almweidefläche knapp 3.700 bis 4.000 Hektar, was einer Fläche von rund 5.000 Fußballfeldern entspricht. Und insgesamt verbringen mehr als 3.000 Rinder ihren Sommerurlaub auf diesen saftigen Weiden.
Rudolf Grabner, Geschäftsführer vom Almwirtschaftsverein Steiermark: „Die Teichalm-Sommeralm ist vor allem wegen der Unterschiedlichkeit der Landschaft attraktiv. Der Wechsel von Weide- und Waldflächen hat für Einheimische und Gäste gleichermaßen einen unglaublichen Wert.“ Er erklärt, dass die 142 Almen vorwiegend Einzelalmen von privaten Bauern oder Gemeinschaftsbauern sind und es nur ganz wenige Pachtalmen gibt.

© Oststeiermark Tourismus | Lang-Bichl-RKP
Marke ALMO als Erfolgsprodukt
Eine Besonderheit des Gebiets Teichalm-Sommeralm ist, dass nur ein Betrieb Milchkühe hat und es auf den Almen sonst nur Kälber und Ochsen gibt. Dass früher die Ochsen am Markt verkauft und nach Afrika verschifft und dort geschlachtet wurden, hat 1988 zu einem Umdenken in der Region geführt. Vor knapp 40 Jahren haben sich 45 Landwirte zur gemeinsamen Vermarktung des eigenen hochwertigen Ochsenfleischs zusammengeschlossen und die Marke ALMO gegründet.
Über mehrere Jahrzehnte hat sich eine erfolgreiche Zusammenarbeit etabliert, die auf regionale Herkunft, kontrollierte Qualität und artgemäße Tierhaltung setzt. Heute steht ALMO für eine Rindfleischproduktion, die in professioneller Art und Weise zeigt, wie traditionelle Landwirtschaft und moderne Qualitätsproduktion miteinander verbunden werden können. Dazu Experte Grabner: „ALMO hat eine große Bedeutung für die gesamte Region. Auf der einen Seite sind die Bauern wirtschaftlich abgesichert, weil sie durch ALMO höhere Preise erzielen. Auf der anderen Seite greifen viele Gasthöfe und Hotels auf die hohe Qualität des ALMO-Fleisches zurück. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, die Bauern sind mit großer Überzeugung und Freude dabei. ALMO ist ein wichtiger Eckpfeiler für eine funktionierende Almwirtschaft in der gesamten Region.
Zusammenspiel zwischen Landwirtschaft und Tourismus als Erfolgsgeheimnis
Dass die Teichalm-Sommeralm in dieser Region das Erholungsgebiet schlechthin ist, hat auch mit der guten Verkehrsanbindung zu tun.
In nur einer Autostunde von Graz sind die Almen über Straßen erreichbar, es gibt mit dem Bahnhof Mixnitz auch eine nicht allzu weit entfernte öffentliche Anbindung. An Wochenenden fahren dadurch bis zu 3.500 Autos auf die Teichalm, was das Almenland an seine touristischen Grenzen bringen kann. Durch kontinuierliche Verbesserungen der Verkehrsorganisation funktioniert das Zusammenspiel zwischen Tourismus und Landwirtschaft mittlerweile sehr gut.
Rudolf Grabner vom Almwirtschaftsverein Steiermark: „Der Spagat zwischen Tourismus und Almwirtschaft gelingt. Das hat mit den großzügigen Parkplätzen zu tun und dass keine Autos durch Almen fahren. Viele Tagesgäste nützen auch die öffentlichen Verkehrsmittel. Ich sehe aber auch, dass viele Bauern und Einheimische das Gebiet an den Wochenenden meiden. Positiv ist, dass ständig daran gearbeitet wird, wie die Situation verbessert werden kann.“

© Naturpark Almenland | Bernhard Bergmann
Klimawandel verändert den Rhythmus der Almwirtschaft
Die klimatischen Entwicklungen mit der extremen Trockenheit und den Hitzewellen machen auch nicht vor der Teichalm Halt. Heuer haben die Bauern ihre Tiere bereits Mitte Mai auf die Almen getrieben, damit die Gräser bis Juli bereits einmal abgefressen waren. Die Wasserknappheit, unter der viele Almen in Österreich heuer gelitten haben, konnten die Betriebe auf der Teichalm noch relativ gut abfedern. „Die Wasserversorgung hat auf den meisten Almen gut geklappt, weil die meisten von einem großen Bach in diesem Gebiet profitieren“, so Grabner. Trotzdem habe der Almabtrieb auch auf der Teichalm früher als sonst stattgefunden, mehr als die Hälfte aller Tiere wurde bereits Ende August ins Tal getrieben.
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