Eine Hahnenfeder am Hut, eine Kuh mit besonderem Stellenwert und eine Tradition, die weit über den Stall hinausreicht: Das Tux-Zillertaler Rind ist weit mehr als eine alte Tiroler Rinderrasse. Seit 17. Oktober 2026 sind das „Wissen und die kulturellen Praktiken rund um das Tux-Zillertaler Rind“ offiziell im Nationalen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich eingetragen. Eine besondere Anerkennung für eine Züchtergemeinschaft, die sich seit Jahrzehnten für den Erhalt dieser traditionsreichen Rasse einsetzt.
Fast verschwunden – und doch gerettet
Die Geschichte der sogenannten Tuxer reicht nach neuesten agrararchäologischen Erkenntnissen Tausende Jahre zurück. Benannt nach ihren historischen Herkunftsgebieten, dem Tuxertal und dem Zillertal, waren die Tiere einst ein vertrauter Anblick in den Tiroler Ställen. Doch wirtschaftlicher Druck und der Wandel in der Landwirtschaft brachten die Rasse im 20. Jahrhundert an den Rand des Verschwindens.
In den 1970er-Jahren schien ihr Ende bereits besiegelt. Erst die Suche nach verbliebenen Tieren und das 1986 gestartete Generhaltungsprogramm legten den Grundstein für ihre Rettung. Heute werden laut Tiroler Rinderzuchtverband wieder rund 2.000 Tux-Zillertaler in etwa 250 Familienbetrieben gehalten. Dass es die Rasse noch gibt, ist vor allem dem Engagement ihrer Züchterinnen und Züchter zu verdanken.



© Mathias Penn
Von der Moarkuh zur Glückskuh
Was die Tuxer besonders macht, ist nicht allein ihr Aussehen oder ihre genetische Besonderheit. Es sind auch die Geschichten, Bräuche und Bedeutungen, die sich rund um die Tiere entwickelt haben.
Früher wurden bei den sogenannten Kuhkämpfen die Rangordnungen innerhalb der Herden ausgefochten. Die führende Kuh, die „Moarkuh“, sollte für die bevorstehende Weidesaison die besten Weidegründe sichern. Diese Tradition war unter anderem mit dem Gauder Fest im Zillertal verbunden.
Heute werden die Tiere bei Schauen und Veranstaltungen in friedlicher Form präsentiert. Statt der stärksten wird die schönste Kuh zur Siegerin gekürt. Die Auszeichnung erfolgt mit einer Hahnenfeder, die am Hut getragen wird, und einem sogenannten Moarbuschen. Die Feder ist dabei weit mehr als ein Schmuckstück: Sie steht für Sieg, Stolz und die Verbundenheit mit einer lebendigen Tradition.
Manche Bäuerinnen und Bauern halten auch dann noch eine Tuxerkuh im Stall, wenn sie ansonsten andere Rinderrassen züchten. Besonders Tuxer mit der selteneren Farbvariante schwarz anstelle des häufigeren rotbraun gelten als Glückskuh. Als solche hat sie für viele einen besonderen symbolischen Wert.
Kulturerbe lebt von den Menschen
Die Aufnahme in das Nationale Verzeichnis würdigt daher nicht einfach eine Tierrasse. Sie macht sichtbar, wie eng Tierhaltung, bäuerliche Lebensweise, regionale Identität und überliefertes Wissen miteinander verbunden sind.
Dieses Wissen wird in landwirtschaftlichen Familien, in der Züchtergemeinschaft, bei Tierschauen und Festen weitergegeben. Auch das Heimatmuseum in Fügen trägt mit seiner Sonderausstellung dazu bei, die Geschichte der Tuxer für kommende Generationen zu bewahren. Aber auch öffentliche Veranstaltungen, soziale Medien, die Neuauflage eines Buches zur Geschichte der Rasse, ein Malwettbewerb für Tiroler Schulen und die geplante Errichtung eines Denkmals tragen dazu bei, das Wissen und die Praktiken, sowie die symbolische Bedeutung der Tuxer an jüngere Generationen und die breitere Öffentlichkeit weiterzugeben.
Die Aufnahme in das Verzeichnis ist damit Anerkennung und Auftrag zugleich: Eine Tradition bleibt nur lebendig, wenn Menschen sie pflegen, ihr Wissen weitergeben und ihr auch in einer modernen Landwirtschaft einen Platz einräumen.



© Mathias Penn
Ein Stück Tiroler Almgeschichte
Auch für die Almwirtschaft sind die Tux-Zillertaler ein Stück gelebte Geschichte. Ihre Robustheit und ihre Eignung für das alpine Gelände machten sie zu geschätzten Tieren in ihrer Herkunftsregion. Ihre Geschichte erzählt von einer Zeit, in der Vieh, Weideflächen und der Erfolg eines Almsommers eng zusammengehörten.
Die UNESCO-Auszeichnung erinnert daran, dass Kulturerbe nicht nur in Museen oder alten Dokumenten zu finden ist. Es lebt auch auf Bauernhöfen, bei der Arbeit mit den Tieren und in den Traditionen, die Menschen über Generationen miteinander verbinden.
Denn was auf der Alm und im Stall weitergegeben wird, ist oft mehr als Wissen über Tiere. Es ist ein Stück Heimat, das nur dann erhalten bleibt, wenn es auch morgen noch gelebt wird.

Auch unser Almfuchs Peter Fuchs hat bereits einen Einblick in die Welt seltener Nutztierrassen bekommen. Für eine Folge von „Gschichten von der Alm“ besuchte er gemeinsam mit Christin die Arztaler Alm bei Alois Mayer, der sich mit seiner Arche Alm für den Erhalt alter und gefährdeter Nutztierrassen einsetzt.
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