Der aktuelle Vorfall in Vorarlberg zeigt, dass das Thema Wolf in Österreich und insbesondere in der Almwirtschaft allgegenwärtig ist. Die heimischen Hirten müssen sich immer wieder mit der Frage beschäftigen, wie sie ihre Schafe, Ziegen und Rinder vor möglichen Angriffen durch den Wolf schützen können. Denn Wolfsattacken wie jene in Vorarlberg sind keine Einzelfälle.
Neue Studie unter Hirten im deutschsprachigen Raum
Wie Hirten dem Phänomen Wolf gegenüberstehen, hat nun die Veterinärmedizinische Universität Wien in einer neuen Studie untersucht. Konkret wurde erhoben, wie Hirten im deutschsprachigen Raum die Rückkehr des Wolfs erleben. Im Rahmen der Studie wurden insgesamt 82 Personen befragt, die Herden direkt auf den Weideflächen betreuen. 61 Prozent der Befragten arbeiten in der Schweiz, 16 Prozent in Österreich. Die Ergebnisse sind zwar aufgrund der kleinen und geografisch begrenzten Stichprobe nicht repräsentativ, lassen aber trotzdem einen aufschlussreichen Einblick in den Alltag einer von Wölfen besonders betroffenen Berufsgruppe zu.
Persönliche Erfahrung prägt die Haltung der Befragten
Generell zeigt die Untersuchung, dass die Wolfsfrage nicht nur den Artenschutz und das Tierwohl, sondern auch die Zukunft der Almwirtschaft und die Einbindung jener Menschen umfasst, die vor Ort täglich Verantwortung tragen.
Im Detail gibt es folgende Erkenntnisse: Insgesamt beurteilen die Befragten die Rückkehr des Wolfs eher kritisch. Auf einer Skala von 1 für „sehr negativ“ bis 10 für „sehr positiv“ liegt der Durchschnitt der Antworten bei rund 4,5. Rund 58 Prozent der Hirten, die diese Frage beantwortet haben, ordnen ihre Haltung dem negativen Bereich zu. Rund 37 Prozent bewerten die Rückkehr dagegen grundsätzlich positiv.
Besonders stark wirkt sich die persönliche Erfahrung auf die Haltung aus. Rund 30 Prozent der Befragten haben bereits erlebt, dass ein Wolf Tiere aus der eigenen Herde getötet hat. Diese Hirten stehen der Rückkehr des Wolfs deutlich kritischer gegenüber als jene ohne einen solchen Vorfall.
Ein weiteres Ergebnis: Die Belastung für die Befragten beginnt nicht erst mit einem Angriff. Bereits die mögliche Anwesenheit eines Wolfs in der näheren Umgebung verändert den Arbeitsalltag der Hirten. Um die Gefahr zu minimieren, müssen Herden intensiver beobachtet, Zäune kontrolliert und teilweise Nachtpferche eingerichtet werden. Doch tatsächlich wird die Wirksamkeit von Herdenschutzmaßnahmen unterschiedlich beurteilt. Einige Hirten berichten, dass sich Herden durch Behirtung, Zäune, Nachtpferche und Herdenschutzhunde gut schützen lassen. Andere erzählen, dass sie in der Praxis rasch an ihre Grenzen stoßen. Ebenfalls interessant: Neben getöteten oder verletzten Tieren beobachten Hirten nach Angriffen durch Wölfe teilweise auch Nervosität, Stress und Verhaltensänderungen in der gesamten Herde.
Sorge um Tiere und Almwirtschaft
Viele Befragte sehen den Wolf zudem als zusätzliche Herausforderung für eine Almwirtschaft, die bereits mit zahlreichen Problemen konfrontiert ist. Genannt werden Arbeitskräftemangel, steigende Kosten, Verbuschung und schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Mit den heurigen massiven Hitzewellen ist noch eine weitere Herausforderung dazugekommen. Der Wolf sei laut Studie für manche nicht das einzige Problem, aber eben „ein Problem zu viel“.
Zustimmung zur gezielten Entnahme bei wiederholten Angriffen
In den offenen Antworten zeigt sich breite Zustimmung dafür, dass Wölfe, die wiederholt geschützte Herden angreifen oder ihre natürliche Scheu verlieren, gezielt entnommen werden sollen. Selbst einige grundsätzlich positiv eingestellte Befragte sprechen sich hier für ein praktikables Wolfsmanagement aus. Spannend: Deutlich fällt die Kritik an der öffentlichen und politischen Diskussion aus. Viele Hirten empfinden sie als zu weit von der Realität auf den Almen entfernt. Über Schutzmaßnahmen würden oft jene diskutieren, die selbst keine Herden betreuen und die Folgen ihrer Forderungen nicht im Alltag tragen müssen.
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