Kein fließendes Wasser in der uralten Holzhütte, kein Strom, das Plumpsklo angebaut an einen der Ställe fürs Vieh. Diese selbst uralt, ausgefaserte Holzblanken, wirklich lästig zum Ausmisten. Das Ofenrohr löchrig, das tägliche Einheizen zum Warmwasser-Machen fürs Melkgeschirr eine rauchige Angelegenheit. Gemolken habe ich mit Standeimern, die mit Wasserunterdruck recht gut funktioniert haben. Weniger gut die reine Wasserkühlung der Milch, wenn an heißen Tagen die Wassertemperatur 15 Grad betrug.
Von außen besehen, war das eine Bilderbuchalm. Freilich nur fürs Laienauge. Great, großartig daran, nur die urige Fassade. Die Funktionalität aber war definitiv nicht great, sondern besch… Heute verfügt diese Alm über eine Photovoltaikanlage und ein eigenes kleines Wasserkraftwerk. Der Alminger kann sich jeden Tag warm duschen und kocht auf einem neuwertigen E-Herd. Das ist heute Standard an Komfort, sollte es jedenfalls sein, wenn ich für die Zukunft gerüstet sein möchte.
Ebenfalls unabdingbar: eine anständige Wege-Erschließung. Die Zeit, wo wir Bauernkinder und/oder Pensionisten stundenlange Fußmärsche auf die Alm zumuten konnten, sind endgültig vorbei, seltene Ausnahmen mag es hier und dort noch geben. Wer Almen erhalten will, muss grundsätzlich ja sagen zum Bauen, Umbauen und auch Neubauen.
Unsere Almen sind keine schön anzusehenden Museen, sondern müssen heutigen Anforderungen an Hygiene, Komfortbedarf und Tierwohl genügen. Übererschließung mag hier und dort ein Problem sein, aber viel häufiger ist noch das Gegenteil der Fall. Dreckige und laute Dieselmotoren etwa sind immer noch viel zu oft im Almeinsatz.
„Make the Alm Great Again“ heißt nicht Mauern, Asphalt, Glas und Asbest. Sondern: Bauen mit Augenmaß und Respekt vor der Landschaft. Es geht darum, zu bewahren, was trägt – und zu erneuern, was nötig ist. Nur so bleibt die Alm ein Ort, an dem Menschen gerne arbeiten, Tiere gut gehalten werden und Gäste das erleben, was sie suchen: Echtheit, Ursprünglichkeit – und Lebendigkeit.
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