Anton Hafellner von der Agrargemeinschaft Steiermark bringt es auf den Punkt: „Diese Trockenheit ist außergewöhnlich, so extrem wie heuer war es selten. Die Wasserknappheit ist ein großes Problem auf unseren Almen.“
Zuerst fehlende Feuchtigkeit, dann Hitzewellen
Die Entwicklung ist schon das ganze Jahr zu beobachten. Zuerst hat die fehlende Feuchtigkeit aus dem Winter und Frühjahr für eine erste lange Trockenphase gesorgt. Dann hat die erste Hitzewelle im Juni diese Situation noch einmal verstärkt. Mit der zweiten Hitzewelle Ende Juli und Anfang August wird die Trockenheit noch einmal schlimmer. Das Problem: Keiner weiß derzeit, wie lange diese zweite Hitzewelle dauert und wie dramatisch die Folgen wirklich sein werden. Hafellner schätzt, dass sich die Situation mit den ausbleibenden Niederschlägen durch die Hitze und durch den Wind, der zusätzlich für Trockenheit sorgt, zunehmend verschärft.
4.000 Liter Wasser müssen pro Tag aus dem Tal zugeführt werden
Die Folge: Der Alltag auf den Almen muss sich der Hitze und der Trockenheit anpassen. Hafellner: „Auf unserer Alm benötigen wir insgesamt pro Tag rund 6.000 Liter, aber die Quellen bringen uns derzeit nur 2.000 Liter. Wir behelfen uns, indem wir pro Tag rund 4.000 Liter in einem Fass aus dem Tal für die Tiere zuführen.“ Und sollten Hitze und Trockenheit weiter anhalten, skizziert Hafellner weitere mögliche Maßnahmen: „Der letzte Ausweg wäre, die Tiere zu anderen Almen zu bringen und im allerschlimmsten Fall wieder zurück ins Tal. Wobei man dazusagen muss, dass auch die Wasserversorgung in den Tallagen nicht gerade rosig ist.“
Hitze mit dramatischen Folgen für die Almen
Die Wasserknappheit ist nicht die einzige negative Folge der Hitze für die Almen. „Hitze und Trockenheit haben natürlich auch Folgen für die Tiere und die Vegetation, und natürlich sind auch die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Almbauern ein Thema“, so Hafellner. Es sei nicht vorhersehbar, inwiefern Gräser und Kräuter durch die Hitze zerstört werden, welche Waldschäden es durch die extreme Trockenheit gibt, ob der Borkenkäfer, der Trockenheit liebt, zuschlägt oder ob es wie aktuell in Frankreich auch in Österreich zu gefährlichen Waldbränden kommt.
Hafellner: „Wir müssen die Entwicklungen beobachten und hoffen, dass wir die Zeit irgendwie überbrücken können. Klar ist aber auch, dass wir auf unseren Almen massive Einbrüche bei den Erträgen haben, weil wir heuer vielerorts nicht mehr so viel Fleisch, Milch, Käse und Butter wie sonst produzieren können. Zudem bedeutet die zusätzlich notwendige Beschaffung von Wasser natürlich einen zeitlichen und finanziellen Zusatzaufwand für jede Almwirtschaft.“
Mögliche finanzielle Unterstützung: Politik ist gefordert
Die dramatische Situation ist auf allen heimischen Almen präsent. Die Situation dürfte in Ost- und Südösterreich noch einmal ein wenig angespannter sein als im Westen. Deshalb sei laut Agrar-Experte Hafellner auch die Politik gefordert: „Wir sehen eine dramatische Entwicklung auf allen Almen, das Problem mit der Wasserknappheit, den geringeren Erträgen und den Zusatzkosten zeigt sich da und dort stärker. Wir hoffen deshalb, dass Maßnahmen zur wirtschaftlichen Unterstützung möglich sind.“
Für die Zukunft sieht Hafellner eine grundsätzliche Herausforderung: „Irgendwann muss man fürchten, dass sogar in den Tallagen die Wasserversorgung kritischer wird. Das heißt natürlich, dass man sich Gedanken machen muss, wie man mit dem Wasser umgeht.“
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