Der Noriker: das gutmütige, österreichische Kaltblut

…anlässlich des „Ross auslassen“, das am 1. Juni in Kirchberg in Tirol stattfindet, holen wir die alte Rasse der Noriker jetzt vor den Vorhang: eine liebenswerte, gutmütige und sehr vielseitige Pferderasse, die ins 15. Jahrhundert zurückgeht.

Nervenstark, arbeitswillig, entspannt und gutmütig: Der Charakter der Noriker macht aus den Kaltblütern ein ideales Reit- und Arbeitstier.

Ihren Namen haben die Noriker von der römischen Provinz „Noricum“ erhalten, wo sie ursprünglich gezüchtet wurden. Bereits im römischen Heer werden sie als Kriegspferde im Alpenraum eingesetzt. Im Salzburger Pinzgau sind die Noriker auch als „Pinzgauer“ bekannt.

Die Noriker lassen sich auf fünf Hengstlinien zurückführen:

  • Nero
  • Diamant
  • Vulkan
  • Schaunitz
  • Elmar

Exterieur (Aussehen)

  • 700 -800 kg schwer
  • 155 cm bis 165 cm Stockmaß (gemessen zum höchsten Punkt des Widerrists)
  • kräftiger Körper und gutmütige Augen
  • gängigste Farben: Rappen, Braune, Füchse, Blauschimmel, Braunschimmel, Rotschimmel, Mohrenköpfe, Tiger und Plattschecken in verschiedenen Ausprägungen
  • gute Trittsicherheit und Geländegängigkeit
  • der gut proportionierte Kopf sitzt auf einem kurzen, kräftigem Hals

Interieur (Charakter)

  • ausdauernd, eigenständig und verlässlich
  • beliebt beim Dressurreiten und bei Ausritten aufgrund des weichen, angenehmen Gangs, sehr geeignet auch fürs Westernreiten,
  • kann hervorragend in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt werden.

Der Noriker ist eine sehr robuste Pferderasse, die problemlos mit allen Witterungen zurechtkommt und ganzjährig im Freien gehalten werden kann.

Dass der Noriker gealpt wird, ist für die Gesundheit der Tiere besonders förderlich. Für den Aufbau der Muskulatur, den Erhalt der Muskelmasse und vor allem auch als Ausgleich zur harten Arbeit im Winter als Kutschpferde oder zu ihrem Einsatz in der Wald- und Landwirtschaft. Seit 1999 gilt der Noriker als gefährdete Haustierrasse. Als nämlich in den 1960-er und 70er-Jahren die Traktoren aufgekommen sind, ist es mit der Norikerzucht bergab gegangen.

Außerdem eignen sich die Noriker ideal als Partnertiere zu Kühen auf der Alm, da sie auf den Wiesen ganz andere Halme und Gräser fressen, als Kühe. So werden die Weideflächen schön geputzt.

Wie sich die Hengste, die den Sommer über auf den Almen verbringen, ihre Rangordnung erkämpfen, könnt ihr hier nachlesen und im Video auch nachschauen.

Wer noch mehr über die alte österreichische Pferderasse erfahren möchte, kann sich die Dokumentation „Arbeitsrösser – Die Noriker“ des BR-Fernsehens ansehen.

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