Dürfen wir vorstellen: Das ist die Blobe Ziege

… Als Steinbock unter den Ziegen ist die Blobe Ziege bekannt. Die alte Gebirgsziegenrasse kommt ursprünglich aus der Grenzregion zwischen Nord- und Südtirol. Eine Erhaltungszucht gibt es für die Blobe Ziege erst seit 2007. Das ist auch nötig, um die stark gefährdete Haustierrasse zu erhalten, denn aktuell gibt es nur etwa 320 Herdenbuchtiere.

Ziegen von Natur aus richtige Kletterkünstlerinnen und sehr trittsicher. Weil sie wenig wiegen und sehr wendig sind, kommen sie auf der Alm noch an die Stellen zum Grasen, die für Rinder und Schafe bereits unerreichbar sind.

Die Ziege frisst Sträucher und Gräser ab und hält die Ausbreitung des Waldes auf. Ihre Rolle in der Pflege und Erhaltung der Almen- und Kulturlandschaft Österreichs ist also eine bedeutende.

Blobe Ziege am Berg
Blobe Ziege am Berg

Steckbrief:
Kräftig gebaut, stämmig und mittelgroß bis groß: Die Blobe Ziege ist perfekt für das Leben im Hochgebirge ausgestattet. Sie ist besonders geländegängig und mit ihrem mittellangen Fell trotzt sie den Witterungsbedingungen im Hochgebirge, zwischen 2.500 und 3.000 Metern.

„Blobe“ kommt vom Tirolerischen „blau“ und steht für die blau-graue Grundfarbe der Tiere. Die meist dunkelgrauen bis schwarzen Beine und der dunkle Aalstrich am Rücken verleihen der Rasse ihr charakteristisches Aussehen. Der gesamte Körper ist dabei einheitlich grau gezeichnet, in unterschiedlichen Abstufungen, aber ohne Flecken oder kantigen Übergängen. Das Gesicht ist mehrheitlich etwas heller.

Besonders markant ist die Kopfform der Blobe Ziege: lang und vergleichsweise breit, das Nasenbein teilweise stark konkav. Das lässt eine Ähnlichkeit mit dem Steinbock ganz deutlich werden.

Die Blobe Ziegen haben recht kräftige Hörner; auch die Geißen. Immer wieder gibt es auch vereinzelt Tiere ohne Hörner.

  • Bock: 70 – 90 cm / Geiß: 70 – 85 cm Widerristhöhe
  • Bock: 65 – 85 kg / Geiß: 45 – 75 kg
Blobe Ziege auf einem Zaun
Blobe Ziege im Steingelände

Charakter und Nutzung:
Bei der Blobe Ziege handelt es sich um eine genügsame und widerstandsfähige Hochgebirgsziegenrasse. Die Tiere können fast das ganze Jahr über im Freien gehalten werden. Harte Klauen und ihre Trittsicherheit machen die Blobe Ziege zum idealen Tier für die Beweidung von steilem, felsigem Gelände. Da kommt ihnen auch das hoch sitzende Euter zugute, denn so reduziert sich die Verletzungsgefahr im unwegsamen Gebiet.

Die noch sehr ursprünglichen Ziegen sind sehr robust und kräftig gebaut und haben nicht nur eine bemerkenswerte Muskelmasse, sondern einen für Ziegen eher untypisch breiten Rücken und ein breites Becken. Durch diese Merkmale kann die Blobe Ziege ebenso in der Milch- und Fleischproduktion eingesetzt werden.

Gefährdung
Die Blobe Ziege zählt zu den gefährdeten Haustierrassen. Heute kommt sie in kleinen Beständen noch im Tiroler Ötztal und im oberen Inntal vor. Es hat einfach keine konkrete Zuchtarbeit gegeben und viele Ziegenhalter haben sich auf andere, „modernere“ Rassen konzentriert. Daher ist der Bestand der Blobe Ziege in den letzten zwanzig Jahren besonders stark zurückgegangen. In Österreich und Südtirol stand die alte Gebirgsziegenrasse kurz vor der Auslöschung.

2007 haben die ARCHE Austria und der Verein „Blobe Goas Austria“ die Rettungsaktion dieser alten Ziegenrasse ins Leben gerufen und mit knapp 30 Tieren die planmäßige Erhaltungszucht begonnen. Zwei Jahre später bekommt die Blobe Goas dann ihren Eintrag als eigenständige Rasse.

Die Arbeit und Mühe haben sich bereits bezahlt gemacht. Immerhin stehen aktuell schon wieder 100 Böcke und ca. 640 Ziegen im Herdenbuch.

Fotos: Blobe Goas Austria

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