Allgemein Was unseren Almfuchs freut und was ihn fuchst: die Höhen und Tiefen des Almlebens
Was unseren Almfuchs freut und was ihn fuchst: die Höhen und Tiefen des Almlebens
… Mein bester Freund Ulrich ist mit seiner lieben Frau Martina zu Besuch. Mit Ulrich verbinden mich nicht zuletzt auch mehrere geteilte Almsommer. Super praktisch also, Ulrich geht mir bei der Stallarbeit zur Hand, dann geht sich danach ein kleiner Sprung ins kühle Nass der Brandenberger Ache aus. Aber: die Freude wird getrübt durch eine kranke Kuh. Nadja hat kalte Ohren und stark verminderte Fresslust. Das macht den Alminger nicht froh. Doch Hilfe naht …
Das Leben ist kein Ponyhof. Auch nicht und schon gar nicht auf der Alm. Mal geht sie rauf, dann geht sie runter, die Stimmung, die Freude. Das Einverstanden-Sein mit dem Lauf der Dinge ist zentral auf der Alm. Nur die Nerven bewahren, auch wenn die Routine gebrochen wird, wenn eine kranke Kuh Sorgen und Mehraufwand macht.
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Nadja macht „Faxen“. Sprich, sie legt sich nach dem Abendmelken auf der Weide nieder, anstatt sich in sie zu verbeißen. Ein sicheres Zeichen, dass mit der Kuh etwas nicht stimmt. Und richtig, sie hat eiskalte Ohren, auch macht sie eine Art ungewohnten Buckel. Ich habe sofort den Verdacht, dass sie einen metallenen Fremdkörper verschluckt haben könnte. Deshalb ab in den Stall mit ihr, Fieber gemessen und einen Magneten eingesetzt, den mein lieber Almnachbar Michel vorsorglich zur Hand hat. Mit Michels Hilfe und einer Art „Pistole“ schluckt Nadja den zylindrischen Magneten, der an ungefährlicher Stelle jetzt alles Metallene sammeln sollte, falls vorhanden.
Mit der Hoffnung im Gepäck, dass diese Intervention Nadja wieder auf Vordermann bringt, geht es zusammen mit Martina und Ulrich ins Tal runter. Das heißt, ich mit dem E-Bike, weil ich ja nach ein paar Sprüngen ins kühle Nass der Brandenberger Ache wieder zurück auf die Alm muss. Ulrich und Martina werden mich nach dem Badespaß wieder verlassen.
Ja, das geht sich manchmal aus auf einer Alm. Ein paar Stunden Freizeit, wenn die Morgenarbeit getan ist. Natürlich je nach Lage der Alm. Bei meiner geht’s.
Zurück auf der Alm wartet eine kleine Überraschung auf mich: Nani, die wir offenbar am Morgen vergessen hatten anzubinden, hat sich ein bisschen Freigang und eine Extraportion Heu verschafft und einen „netten braunen Gruß“ hinterlassen. Ich muss lachen und bin nur froh, dass sie nicht mehr Schaden angerichtet hat. Das sind kleine Hoppla. Das etwas größere heißt nach wie vor Nadja. Ich beschließe, sie im Stall zu lassen, mit Heu abzufüttern und am nächsten Tag den Tierarzt kommen zu lassen.
Der Tierarzt ist eine Tierärztin aus Düsseldorf (!), die sich in die Berge und die Almen verliebt hat. Sie macht einen Reflextest auf Fremdkörper, lobt die vorsorgliche Verabreichung des Magneten, hört Nadja ab und verpasst meiner Kuh aufgrund eines leichten Rasselns in der Lunge eine Spritze. Das sollte es gewesen sein. Normalerweise spricht eine Kuh sehr rasch auf derlei Medikation an. Die Milch von Nadja freilich darf ich 24 Stunden lang nicht in den Tank schütten. Aber der Schaden ist geschätzt.
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