Was unseren Almfuchs freut und was ihn fuchst: die Höhen und Tiefen des Almlebens

… Mein bester Freund Ulrich ist mit seiner lieben Frau Martina zu Besuch. Mit Ulrich verbinden mich nicht zuletzt auch mehrere geteilte Almsommer. Super praktisch also, Ulrich geht mir bei der Stallarbeit zur Hand, dann geht sich danach ein kleiner Sprung ins kühle Nass der Brandenberger Ache aus. Aber: die Freude wird getrübt durch eine kranke Kuh. Nadja hat kalte Ohren und stark verminderte Fresslust. Das macht den Alminger nicht froh. Doch Hilfe naht …

Das Leben ist kein Ponyhof. Auch nicht und schon gar nicht auf der Alm. Mal geht sie rauf, dann geht sie runter, die Stimmung, die Freude. Das Einverstanden-Sein mit dem Lauf der Dinge ist zentral auf der Alm. Nur die Nerven bewahren, auch wenn die Routine gebrochen wird, wenn eine kranke Kuh Sorgen und Mehraufwand macht.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Youtube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Nadja macht „Faxen“. Sprich, sie legt sich nach dem Abendmelken auf der Weide nieder, anstatt sich in sie zu verbeißen. Ein sicheres Zeichen, dass mit der Kuh etwas nicht stimmt. Und richtig, sie hat eiskalte Ohren, auch macht sie eine Art ungewohnten Buckel. Ich habe sofort den Verdacht, dass sie einen metallenen Fremdkörper verschluckt haben könnte. Deshalb ab in den Stall mit ihr, Fieber gemessen und einen Magneten eingesetzt, den mein lieber Almnachbar Michel vorsorglich zur Hand hat. Mit Michels Hilfe und einer Art „Pistole“ schluckt Nadja den zylindrischen Magneten, der an ungefährlicher Stelle jetzt alles Metallene sammeln sollte, falls vorhanden.

Mit der Hoffnung im Gepäck, dass diese Intervention Nadja wieder auf Vordermann bringt, geht es zusammen mit Martina und Ulrich ins Tal runter. Das heißt, ich mit dem E-Bike, weil ich ja nach ein paar Sprüngen ins kühle Nass der Brandenberger Ache wieder zurück auf die Alm muss. Ulrich und Martina werden mich nach dem Badespaß wieder verlassen.

Ja, das geht sich manchmal aus auf einer Alm. Ein paar Stunden Freizeit, wenn die Morgenarbeit getan ist. Natürlich je nach Lage der Alm. Bei meiner geht’s.

Zurück auf der Alm wartet eine kleine Überraschung auf mich: Nani, die wir offenbar am Morgen vergessen hatten anzubinden, hat sich ein bisschen Freigang und eine Extraportion Heu verschafft und einen „netten braunen Gruß“ hinterlassen. Ich muss lachen und bin nur froh, dass sie nicht mehr Schaden angerichtet hat. Das sind kleine Hoppla. Das etwas größere heißt nach wie vor Nadja. Ich beschließe, sie im Stall zu lassen, mit Heu abzufüttern und am nächsten Tag den Tierarzt kommen zu lassen.

Der Tierarzt ist eine Tierärztin aus Düsseldorf (!), die sich in die Berge und die Almen verliebt hat. Sie macht einen Reflextest auf Fremdkörper, lobt die vorsorgliche Verabreichung des Magneten, hört Nadja ab und verpasst meiner Kuh aufgrund eines leichten Rasselns in der Lunge eine Spritze. Das sollte es gewesen sein. Normalerweise spricht eine Kuh sehr rasch auf derlei Medikation an. Die Milch von Nadja freilich darf ich 24 Stunden lang nicht in den Tank schütten. Aber der Schaden ist geschätzt.

Zum Weiterlesen haben wir hier noch mehr Beiträge vom Leben und Arbeiten auf der Alm:

Weitere Beiträge zum Thema Leben und Arbeiten auf der Alm

Wenn die Alm schläft – arbeiten die Almleute: winterliche Vorbereitungen für einen starken Almsommer.

Wenn die Alm schläft – arbeiten die Almleute: winterliche Vorbereitungen für einen starken Almsommer.

… Jetzt im Winter, während die Almtiere noch die gemütliche Behaglichkeit ihrer Ställe genießen, stecken die Almleute gedanklich und organisatorisch schon in den Vorbereitungen für den nächsten Almsommer. Von wegen […]

Zwischen den Jahren – die Magie der Raunächte

Zwischen den Jahren – die Magie der Raunächte

Die Tage und Nächte zwischen den Jahren sind eine magische Zeit. Dem Volksglauben nach ist zu dieser Jahreszeit die Schwelle zwischen dem Diesseits und dem Jenseits sehr niedrig und die […]

23. Dezember 2025
Weiterlesen
Auf der Schwarzalm in Niederösterreich

Auf der Schwarzalm in Niederösterreich

Hoch über dem Tal, mit Aussicht bis in die steirischen Berge, liegt die Schwarzalm auf 1.536 Metern Seehöhe im südlichen Mostviertel – ein echtes Schmuckstück. Sie ist die höchstgelegene Almhütte […]

21. November 2025
Weiterlesen
Auf der Möschbaueralm: Ein Blick in die Vergangenheit – und ins Heute

Auf der Möschbaueralm: Ein Blick in die Vergangenheit – und ins Heute

„Hier ist die Welt noch in Ordnung!“ Dieser Satz fällt einem unweigerlich ein, wenn man die Möschbaueralm bei Reinhard Brantner in der Steiermark besucht. Die Landwirschaft ist seit Generationen in […]

14. Oktober 2025
Weiterlesen
Make the Alm Great again: Bauen auf der Alm

Make the Alm Great again: Bauen auf der Alm

Kein fließendes Wasser in der uralten Holzhütte, kein Strom, das Plumpsklo angebaut an einen der Ställe fürs Vieh. Diese selbst uralt, ausgefaserte Holzblanken, wirklich lästig zum Ausmisten. Das Ofenrohr löchrig, […]

3. Oktober 2025
Weiterlesen
Hirten braucht das Land: ein Diskussionsbeitrag

Hirten braucht das Land: ein Diskussionsbeitrag

Zwar ist es absolut zu begrüßen – und längst überfällig –, dass es inzwischen auch in Österreich Ausbildungsmodule für Hirten und Hirtinnen gibt. Niemand aus der Almwirtschaft hat etwas gegen […]

30. September 2025
Weiterlesen
Ziegen auf der Alm sind wunderbare Tiere …

Ziegen auf der Alm sind wunderbare Tiere …

So, noch mal von vorne: Ziegen sind wunderbare Almtiere. Sie sind das letzte Bollwerk gegen die stetig voranschreitende Verbuschung vor allem durch die Grünerle. Das ist ihr Job hier auf […]

24. September 2025
Weiterlesen
Die Liebe zur Alm überwindet Grenzen

Die Liebe zur Alm überwindet Grenzen

Das Wetter ist bescheiden, aber gerade noch trocken genug, um das Interview draußen zu beginnen. Im Verlauf des Gespräches wechseln wir aber in die warme Stube. Christel, du arbeitest aktuell […]

26. August 2025
Weiterlesen
Schwenden und Zäunen auf der steirischen Wildalm mit Esel- statt Pferdestärke

Schwenden und Zäunen auf der steirischen Wildalm mit Esel- statt Pferdestärke

Heuer kam u.a. die Wildalm in den Niederen Tauern in den Genuss dieser zusätzlichen Manpower. Und ein Mann hatte da noch seinen vierbeinigen Kameraden zum Schleppen dabei. Der kurze Videobeitrag […]

22. August 2025
Weiterlesen
Ein Sommer ohne Ruhetag – Gertrude und Walter Pomberger auf der Halter-Hütte

Ein Sommer ohne Ruhetag – Gertrude und Walter Pomberger auf der Halter-Hütte

Von Ende Mai bis Mitte September leben sie auf der Alm, und das ganz ohne Ruhetag. „Der Ruhetag würde eher Stress bedeuten“, lacht Gertrude, „da müssten wir alles herrichten und […]

19. August 2025
Weiterlesen