… Jetzt im Winter, während die Almtiere noch die gemütliche Behaglichkeit ihrer Ställe genießen, stecken die Almleute gedanklich und organisatorisch schon in den Vorbereitungen für den nächsten Almsommer. Von wegen Winterruhe: Die einen bauen im Tal Schneemänner, die anderen schrauben schon am Almsommer.
Jetzt, wenn auf den Bergen alles unter einer Schneedecke ruht, läuft im Hintergrund die entscheidende Phase der Almwirtschaft, denn die Wintermonate sind für die Almleute die Zeit, in der sie alles herrichten, was im Sommer funktionieren muss. Und das ist viel.
In der Werkstatt
Im Sommer zählt jede Minute des Tages – Tiere versorgen, Wasserleitungen in Stand halten oder Wandersleute mit Jause versorgen. Da muss es oft schnell gehen. Der Winter hat den Vorteil, dass jetzt Zeit ist, sich um die Maschinen zu kümmern.
Motorsägen und Geräte aller Art, Traktoren, die Melkanlage, Wasserpumpen, Stromaggregate – alles wird kontrolliert und gewartet.
Außerdem nutzen viele die Wintermonate für eine Bestandsaufnahme und Nachbestellungen. Zaunrollen, Ersatzteile, neues Werkzeug – jetzt wird eingekauft – denn ist der Schnee erst geschmolzen und die „Arbeitsfläche“ freigelegt, dann muss alles schon parat liegen.
Auf der Baustelle
Jetzt ist die Zeit, um Dächer zu reparieren, den Heuboden auf Schäden oder Schimmel zu kontrollieren, Fenster neu zu isolieren und den Stallboden zu kontrollieren. Sobald es möglich ist, machen auch viele Almleute eine Runde über ihre Weideflächen. Also, einen Check darüber, wo im Frühling was ausgebessert werden muss, wo setzt vielleicht Verbuschung ein? Wo gibt es Schäden durch Schnee, Wild oder Wind?
In der Almwirtschaft ist der Winter folglich eine Art Planungszeitraum für nachhaltige Almwirtschaft.
Personal und Logistik
Auf bewirtschafteten Almen, wo vielleicht auch Käse gemacht wird, sollte die Planung für den kommenden Almsommer im Winter bereits abgeschlossen sein.
Das heißt: Steht das Team für Almkäserei, Stall und Ausschank? Sind die Magazine gefüllt mit Salz, Reinigungsmitteln und anderem Zubehör? Wann können die Lebensmittel auf die Alm gebracht werden?
Einige Almbewirtschafter-Familien nutzen auch die Zeit für Fortbildungen oder eine neue Speisekarte.
Fazit
Der Schein der ruhigen Wintermonate trügt jedenfalls gewaltig, wenn es um die Almwirtschaft geht. Wenn im Frühling die Tiere wieder aufgetrieben werden, merkt man sofort, wie wichtig die geleistete Arbeit gewesen ist. Arbeit gibt es auf der Alm also auch im Winter genug – wann sie aber verrichtet wird, das richtet sich – wie so vieles am Berg – ganz nach dem Bedarf und der Witterung.
Der Almsommer beginnt eben nicht mit dem Almauftrieb, sondern schon mit der Arbeit im Winter.
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