Ziegen auf der Alm sind wunderbare Tiere …

…sieht man einmal davon ab, dass sie, wie meine Freundin Andrea es unmissverständlich ausdrückt, „richtige Saukrüppl“ sind. Andrea Oberhauser weiß, wovon sie spricht. Zusammen mit der langjährigen Ziegenhirtin Barbara Zenobi ist sie für 160 Milchziegen auf der Alpe Siez im schönen Weisstannental im Kanton St. Gallen zuständig. Zu-ständig mit Betonung auf dem zweiten Wortteil. Das wiederum kann ich nach nur einem Tag bestätigen, den ich zusammen mit Andrea ihre Ziegen hüte. Bist du nicht ständig auf der Hut bei Ziegen, verarschen sie dich nach Strich und Faden.

So, noch mal von vorne: Ziegen sind wunderbare Almtiere. Sie sind das letzte Bollwerk gegen die stetig voranschreitende Verbuschung vor allem durch die Grünerle. Das ist ihr Job hier auf der Alpe Siez. Neben der Milchspende, die zu wunderbarem Alpkäse verarbeitet wird. Diese beiden Jobs erledigen sie mit sicht- bzw. genießbarem Erfolg. Der junge Ziegenkäse zergeht im Mund und die Grünerlen, den Farn und Co. putzen die munteren Meckerinnen weg wie nix. Das ist schon beeindruckend beides und – gut für die Alpe.

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Ziegen hüten ist wie Flohzirkus, nur tausendmal anstrengender
Auch Barbara Zenobi ist gut für die Alpe. Barbara liebt ihre Ziegen. Das mag mit ihrem eigenen Charakter zusammenhängen, der jedenfalls auch durch einen starken Eigenwillen geprägt ist. Bildlich gesprochen ist sie die Leitziege hier. Schließlich ist das ja auch schon ihr 10. Sommer auf der Alpe Siez. Barbara meckert zwar nicht, aber sie gibt klar vor, wie die Dinge auf ihrer Alm zu laufen haben. Also jedenfalls Andrea gegenüber, die heuer ihren ersten Alpsommer auf Siez verbringt. Die beiden Frauen haben es nicht immer leicht miteinander. Und dann sind da noch die lieben Ziegen. Zu schweigen von den topographischen Gegebenheiten, um einen klug klingenden Euphemismus für „steile, absturzgefährdende Sauweiden“ zu bemühen.

„Es ist brutal hart mit einem Wort“ bringt es meine Freundin Andrea auf den Punkt. „Hätte ich gewusst, wie brutal, ich wär‘ nicht gekommen“. Nachdem ich Andrea definitiv nicht als Weichei kenne und vor allem, nach dem einen Tag jetzt, wo sie mich zum Hüten mitgenommen hat, weiß ich, wovon die Rede ist. Und mir fallen die vielen Geschichten ein, die mein Vater, Gott hab ihn selig, uns Kindern erzählt hat. Damals in den Nachkriegsjahren als Geißenhirt. Mit gerade einmal 13 Jahren. Ich glaube, auch mein Vater hat das Wort „Saukrüppel“ verwendet und das Wort „elendigliche“ vorangestellt. Ziegen Hüten ist wie Flohzirkus, nur tausendmal anstrengender.

3-mal so viele Ziegen auf der Alpe (CH) als auf der Alm (A)
Anstrengend oder nicht, erfolgreich ist das Ziegenhüten mit dem Ziel, Weiden zu erhalten bzw. sogar – wie hier – wieder zurückzugewinnen allemal. Ständig steige ich über abgestorbene Grünerlen, wenn ich nicht darüber stolpere bzw. auf ihnen ausrutsche und auf meinem Allerwertesten lande, weil ich sie nicht sehe, sind sie doch völlig von allerlei Gräsern und Blumen überwuchert. Ja, artenvielfältig ist die Weide hier, das ist schön, aber auch ganz schön gefährlich. Ausrutschen bei Hangneigungen von geschätzten 45 – 50° – da rutscht einem jedes Mal das Herz in die Hose.

Aber, wie gesagt, ob anstrengend UND gefährlich oder nicht: jedenfalls erfolgreich. Und deshalb direkt gefördert in der Schweiz. Das ist vermutlich der Grund, weshalb ca. dreimal so viele eidgenössische Ziegen geaplt werden als österreichische. Obwohl die heimischen Ziegenbestände sogar etwas über jenen in der Schweiz liegen.

Dass Ziegen gut für die Alpe/Alm sind, das sehe ich hier sofort. Ich kann aber auch recht gut nachvollziehen, warum sie großflächig von der Alpe/Alm verschwunden sind im Vergleich zu den Zeiten, wo mein Vater so wie Tausende andere Bergbauernsöhne diese Alm-Flöhe hüten musste.

Hier gibt’s weitere Beiträge über das Leben und Arbeiten auf der Alm:

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