Ja, ich habe mich verliebt. In die Resi und ihre Liebe zu ihren Kühen, zu ihren Berufen und Berufungen. In die Art, wie sie ihr Leben lebt. Art heißt Kunst in anderen Sprachen. In die so ungekünstelte, so kunstfertig bodenständige Art, wie diese Frau in ihren ungleichfärbigen Gummistiefeln Tag für Tag im Stall zu Werke geht, habe ich mich verliebt. In ihren liebevoll-heiterernsten bis witzigen Blick auf ihre bunten Kühe, den Objekten ihrer künstlerischen Obsession, habe ich mich verliebt, wie ich mich auf den ersten Blick, wie man so schön sagt – nur, dass es diesmal stimmt –, verliebt habe in die Bilder von Resi, die sie, ihrem Blick in die Seelen ihre Kühe folgend, auf die Leinwand bannt.
Theresia malt also Kühe. (Fast) ausschließlich Kühe. Und (fast) immer in bunten Farben. Wer Kühe „realistisch“ sehen will, der kann sie ja fotografieren, sagt sie. Ihr künstlerisches Auge ist es dann, welches es bunt treibt mit den Kühen. Weil deren jede einzelne nämlich ein „bunter Vogel“ ist, ein Charakter. Sicher sind sie auch Herdentiere, aber jede hat ihre Eigenart, das widerspricht sich nicht, nicht für Resi. Diese Eigen-art ist es, die Resi ans Tageslicht hebt und damit würdigt. Und insgesamt – so sehe ich sie – sind ihr Kuhbilder eine großartige Hommage, Liebeserklärung und Danksagung an die Kuh, diese wichtigste tierische Partnerin, die wir Menschen haben.



Wer hat denn weite Teile unserer Welt, alles, was Grün- oder Grasland ist, unsere Almen zumal, im wahrsten Sinn des Wortes geschaffen, wenn nicht unsere Kühe? Sozusagen ins Angesicht der Welt hineingefressen. Was täten wir mit dieser gewaltigen Biomasse, mit all dem Gras? Wir Menschen mit unserer so beeindruckenden Technik stünden ganz schön blöd da, wenn uns nicht die Kühe und andere Wiederkäuer hier entscheidend zur Hand gingen und uns das Problem sozusagen wegfressen und im Wegfressen aus dem Problem eine Welt und eine nachwachsende Landschaft schaffen und erhalten. Die Kühe sind Geschöpf und Schöpfer unserer alpinen Lebensweise, die erst als willkommenes Nebenprodukt zur Spielwiese für alle möglichen menschlichen Aktivitäten und damit zum Big Business geworden ist.
Das sind jetzt zwar meine Worte, aber es ist Resi, die sich der darin ausgesprochenen Wahrheit verschrieben hat. Sie, die Resi steht jeden Tag im Stall bei ihren Kühen, zweimal täglich melkt sie sie, sie legt sich ins Zeug beim Heuen, bringt die Nachzucht auf die Alm, kümmert sich in ihren Gedanken und ihrer täglichen Arbeit um deren Wohl. „Die Kuh steht im Mittelpunkt, ist der Mittelpunkt“, das sagt die Resi wortwörtlich, sie sagt es und sie tut es und sie malt es.
Kühe sind also weit mehr als nützlich, aber sind sie denn auch schön, müssen sie auch noch schön sein, uns Menschen auch in ästhetischer Hinsicht einen Gefallen tun? Wenn man Resis bunte Kuhbilder zum Maßstab nimmt, dann kann die Antwort nur „ja“ lauten. Hast du einer Kuh schon einmal tief in ihre Augen geschaut? Tu das und du wirst dich wundern. Und du wirst dich nicht mehr wundern, solltest du klassische Bildung besitzen, warum schon die Griechen der Göttermutter Hera, das schmeichelnde(!) Attribut, „die Kuhäugige“ gegeben haben. Kuhaugen sind wunderschön und die schönsten Wimpern überhaupt haben die Jerseys – das sagt freilich die Resi. Sie sagt es von ihrer Quotenjersey, der Ida, die sich zusammen mit Pinzgauern und Flecken und einer Schwarzbunten und einigem an Mischkulanz im bunten Herdenhaufen beim Reiterbauer tummelt.



Bunt angemalt zeigt sich der Stall bereits von außen, drinnen bunt gemischt, bunt irgendwie alles – das ist die Welt von Resi Innerhofer. Von wegen Alltagstrott: um halb fünf in der früh schon melken, jeden Tag. Abends um halb fünf dasselbe. Jahraus, jahrein, der jahreszeitlich geregelte Ablauf der vielen, vielen Arbeiten, die auf einem Bauernhof mit Milchkühen so anfallen. Und daneben treibt sie es bunt in ihrem Atelier. Mindestens jeden zweiten Tag zieht es Resi dorthin. Dort malt sie Kühe, dort hält sie Workshops, wo sie jedem Teilnehmer jeder Teilnehmerin zum eigenen Kuhbild verhilft. Weil: Kunst ist für alle da, sagt die Resi. Und jede/r kann malen. Ich glaube es ihr und male – vorerst noch im Geist – weiter an meinem Bild der Kuh.
Danke Resi. Für alles!
Wer Resi nicht nur in ihren Bildern begegnen, sondern ihr auch zuhören möchte: Der Almfuchs hat Theresia Innerhofer in einer eigenen Podcastfolge besucht. Darin erzählt sie von ihren Kühen, ihrer Kunst und ihrem Leben als Bäuerin und Künstlerin. Jetzt auf unserem Portal und auf Spotify anhören!
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