Bei der Käse-Olympiade in Galtür zeigen sich die höchsten Gipfel der Genüsse unserer Almen | Tirol

…Mehr als 380 Käse von über 140 teilnehmenden Almen aus Tirol, Italien (Südtirol), der Schweiz (Graubünden), Deutschland und Liechtenstein haben bei der heurigen Almkäseolympiade in Galtür mitgemacht. Sie ritterten um die begehrten Sennerharfen in Gold, Silber und Bronze und um die Tagessiege in den Kategorien Berg- und Schnittkäse. Unser Almfuchs hat Stimmung und Stimmen eingefangen.

Großer Bahnhof für den „Gipfel der Genüsse“ bei der alljährlich stattfindenden Almkäse-Olympiade in Galtür. Der ehemalige Galtürer Bürgermeister und jetzige Tiroler Landeshauptmann, Anton Mattle (ÖVP), führt eine hochkarätige Politikerabordnung an, die dem Almkäse und seinen fleißigen Sennern und Sennerinnen am Ende des Almsommers ihre Ehre erweist. Einen Salut für das kostbarste Produkt unserer Almen schießen die angetretenen Galtürer Schützen in den azurblauen Himmel.

143 der 380 eingereichten Käse prämiert
In den Reihen der Honoratioren ist auch der amtierende Galtürer Bürgermeister Hermann Huber, der zugleich für den eingereichten Käse seiner Faulbrunn Alm auf eine Auszeichnung hofft. Diese bleibt dann auch nicht aus. Mit ihm werden nicht weniger als 143 der 380 eingereichten Käse prämiert, davon 57 in Gold. Der „Goldhamster“ aus Tiroler Sicht heißt Bennie Schmidhofer von der Brixentaler Holzalm mit gleich 4 Goldmedaillen für seine eingereichten Käse, dazu noch drei Bronzene.

Der Tagessieg in der Kategorie Hartkäse geht nach Vorarlberg: die Alpe Gamp mit Michael Adam darf sich als Olympiasieger in Sachen Bergkäse fühlen, beim Schnittkäse liegt Martin Lutz von der Alpe Lutz in Graubünden an der Spitze. Den „Dreikäsehoch-Preis“ der strengen siebenköpfigen Kinder-Jury gewinnt ebenfalls die Schweiz mit Selina Senti von der Alp Sennerei Maran.

Apropos Kinder und Käse: Die Glasfenster des Galtürer Kulturzentrums sind mit Kinderzeichnungen zum Thema Käse beklebt, die mir besonders gut gefallen. So auch dem als Jurymitglied aus Vorarlberg angereisten „Käsecaspar“, Caspar Greber, einem Käsesommelier und wortgewaltigen Botschafter des „Goldes“ unserer Almen. Ich nütze die Gelegenheit und interviewe Caspar über die Bedeutung von derlei Veranstaltungen aus seiner Sicht. „Es ist einer der bedeutenden Bewerbe um diese Alpprodukte in den Fokus zu stellen und Senner sowie Sennerinnen die Herausforderung zu bieten Topprodukte zu machen. Mit einer Medaille nach Hause zu gehen ist die Krönung eines Senners und Alpsommers.“

40 Jurymitglieder bewerteten 380 Käse
Zuvor hat Caspar sich mit rund 40 fachkundigen Kollegen und Kolleginnen durch sämtliche Käse gekostet. Die Jury wurde in jeweils dreiköpfigen Abordnungen zu einer der insgesamt 8 zu bewertenden Kategorien eingeteilt und konnte nach klar vorgegebenen Kriterien, wie äußere und innere Optik, Textur und Geschmack maximal 20 Punkte pro Käse vergeben. Jeder Käsehersteller mit einem Gesamtscore von mindestens 17,5 darf sich über eine Medaille freuen, 18 Punkte bringen eine Silber- und 18,5 oder mehr eine Goldmedaille ein.

„Gute handwerkliche Qualität der Produkte“
Die Jury-Vorsitzende Frieda Eliskases-Lechner sowie Klaus Dillinger, beide von der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt (HBLFA) in Rotholz, bestätigen die „durchaus gute handwerkliche Qualität der Produkte“. Die Hochburg der heimischen Käserei-Ausbildung ist auch mit einer Handvoll Schülerinnen vertreten, die an einem eigenen Stand für die Schule und das Käserei-Handwerk äußerst charmant die Werbetrommel rühren.

Die über 4.000 Besucher werden von der Landjugend Galtür während der ganzen Veranstaltung bestens betreut. Viele der teilnehmenden Almen sind mit eigenen Ständen vor Ort und bieten ihre Käsespezialtäten zum Verkosten und zum Verkauf an. Darunter nicht wenige am Alm-Leben-Programm der Agrarmarketing Tirol Teil nehmenden Almen, einer Initiative zur Qualitätssicherung und -optimierung unserer Sennalmen in Tirol. Das Programm verfolgt das klare Ziel eine Art „Championsleague“ unserer Almen für die Zukunft fit zu machen. Der Fußball-Vergleich leuchtet vielleicht nicht sofort ein. Um eine Sennalm erfolgreich zu „bespielen“, braucht es die besten „Spieler und Spielerinnen“, braucht es Teamgeist und den vollen Einsatz aller Beteiligten. Nur dann wird aus der „besten Milch der Welt“, wie der Käsecaspar im Interview sagt, „ein einzigartiges Top-Produkt“, das seine Fans,Käufer und Käuferinnen überzeugen kann.

Noch wird die Almkäse-Tradition mit viel Mühe und Leidenschaft hochgehalten, so zum Beispiel auf der Alpe Garnera von Veronika Kartnig oder auf der Watschiger Alm von Elisabeth Buchacher, die ich im Sommer mit der Kamera besucht habe.

Herausfordernde Personalsuche
Caspar weiß aber auch um die größten Sorgen unserer Sennalmen: Es wird immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden für die arbeitsintensive und außerordentlich verantwortungsvolle Almkäse-Kunst. Das hochsensible Grundprodukt Alm-Rohmilch erfordert großes Wissen, Fingerspitzengefühl und genaues, sauberes Arbeiten, soll daraus das „Gold“ unserer Almen gewonnen werden.

Durch ihre Teilnahme an der Käseolympiade erhalten die teilnehmenden Almen ein aussagekräftiges Zeugnis über die Qualität ihrer Produkte, eine Richtschnur im Vergleich mit den anderen „Clubs der Championsleague“. Das ausgefertigte Juryurteil inklusive Begründung erhalten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, nicht nur die Prämierten. Die im besten Fall eingeheimsten Sennerharfen, aber auch die da und dort verbesserungswürdigen Punkte: mögen sie den Teil nehmenden Almen die wohlverdiente Bestätigung bzw. der Ansporn sein, es besser zu machen. Das Wichtigste ist, dass alle im nächsten Jahr wieder dabei sind! Denn der Anteil der Sennalmen nimmt in Österreich ab. Von insgesamt 8000 Almen sind österreichweit noch 560 Sennalmen verzeichnet. Über das Ende der Sennalmen habe ich im September mit Fritz Tasch und Anton Zecher von der Hinteregger Alm im steirischen Ennstal gesprochen. Das Video dazu findest du hier.

Über Käse von unseren Almen

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