Von Ende Mai bis Mitte September leben sie auf der Alm, und das ganz ohne Ruhetag. „Der Ruhetag würde eher Stress bedeuten“, lacht Gertrude, „da müssten wir alles herrichten und vorbereiten– so geht’s einfach jeden Tag weiter.“ Und das sagt sie mit einem Grinsen, das nichts von Erschöpfung, aber viel von Leidenschaft verrät.
Als sie ihren Walter vor über 25 Jahren kennengelernt hat, hat Gertrude anfangs nur auf der Alm ausgeholfen. Heute ist die gelernte Köchin das kulinarische Herz der Hütte. Besonders bekannt ist sie für ihre Mehlspeisen – und für ihre legendären Bauernkrapfen. Die sind außen goldgelb, innen fluffig und bekommen durch einen kleinen Schuss Rum das gewisse Etwas. Ihre Gäste lieben sie dafür.
Warum man sich das alles antut, ein Leben mit so viel Arbeit und so wenig Pause? Für Gertrude und Walter ist das keine Frage. Die beiden lieben die Natur, die Ursprünglichkeit – und das Gefühl, ein Leben zu führen, wie „in der guten alten Zeit“. Ein bisschen klingt das wie ein romantisches Ideal, aber wer einmal oben war, versteht schnell: Die Ruhe ist hier nicht unbedingt eine Stille, sondern eine andere Art von Tempo. Es ist nicht weniger zu tun – nur anders.
Kühe, Krapfen und Kaiserschmarrn
Tiere versorgen, Schnäpse ansetzen, Kuchen backen – Arbeit gibt es auf der Halter-Hütte mehr als genug. Und doch strahlt Gertrude bei jedem Satz Begeisterung aus. Auch Walter hat sich längst in dieses Leben verliebt. Dabei hat er eigentlich Maschinenschlosser gelernt. Aber schon früh hat er gespürt, dass ihm das Almleben besser liegt – und vor allem besser tut. Bereits mit 23 Jahren hat er auf der Alm begonnen. Inspiriert von seiner Großmutter, die ebenfalls hier gearbeitet hat.
Sein persönliches Ziel? Die 40 Jahre voll machen. „Ich wünsch es mir“, sagt er, „aber man weiß ja nie – die Gesundheit ist das Wichtigste.“ Realistisch, bodenständig, voller Herzblut – so spricht jemand, der weiß, was das Almleben wirklich bedeutet.
Die beste Aussicht im ganzen Land
Wenn man Walter nach dem Schönsten an der Alm fragt, kommt die Antwort prompt: „Die Aussicht!“ Und wer einmal den Blick über den Ötscher, die Hochschwabgruppe oder ins Gesäuse genossen hat, versteht, warum. Das Panorama ist atemberaubend – und für Walter einzigartig.
Doch auch wenn es hier oben traumhaft aussieht, ist das Almleben kein Urlaub. Die Zeiten haben sich verändert. Früher wurde auf den Almen gemolken, Milch verarbeitet, Butter und Käse gemacht. Heute steht der Tourismus im Vordergrund. Gearbeitet wird trotzdem – und zwar viel.
Rund 180 Tiere – darunter Pinzgauer, Grauvieh und Murbonder – wollen täglich versorgt werden. Walter kümmert sich um Ochsen, Galtvieh und Mutterkühe. Zäune kontrollieren, Tränken reinigen, Reparaturen durchführen – die Liste ist lang, die Aufgaben vielfältig.
Wanderer willkommen – mit Respekt bitte!
Dass immer mehr Menschen die Berge für sich entdecken, ist für Walter grundsätzlich kein Problem. „Schön, wenn die Leute rausgehen in die Natur“, sagt er. Problematisch wird’s nur, wenn Hunde nicht unter Kontrolle sind. „Manche lassen sie einfach laufen. Das geht halt nicht – Abstand zu den Weidetieren ist wichtig. Hauptsache, es passiert nichts.“ Ein Wunsch, den er ganz ruhig, aber mit Nachdruck äußert.
Gemeinsam stark
Trotz der vielen Arbeit, trotz der Verantwortung – Walter würde mit niemandem lieber auf der Alm leben als mit Gertrude. „Es ist nicht selbstverständlich, dass das eine Frau so mitmacht“, sagt er. „Ich hab‘ da richtiges Glück. Allein würd‘ ich das nicht schaffen.“
Und genau das spürt man auch: Die beiden leben das Almleben nicht nur – sie lieben es. Mit allem, was dazugehört. Ohne Warmwasser, aber mit ganz viel Herz.
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