Amfuchs‘ Nachberg-Predigt #2: Ich bin der gute Hirte…

…ich kenne die meinen und die meinen kennen mich. So steht es geschrieben im Johannesevangelium. Klar, meine Kühe kenne ich nach zwei Wochen alle beim Namen, weiß wo ihr Platz im Stall ist, wie sie gemolken werden müssen, die eine oder andere Eigenheit. Aber macht mich das schon zum guten Hirten? Was macht einen guten Hirten aus?

Was würden da wohl meine Nina und Nadja und Nora und die Nani antworten und die andere allen, die meines Bauern Vorliebe für den Anfangsbuchstaben „N“ entkommen sind. Die müsste man natürlich als erstes fragen, wem sie das Prädikat gut verleihen. Ich kann nur hoffen, dass sie mir dies Zeugnis ausstellen werden am Ende meiner Almzeit und mein Bestes dafür tun.

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Bin ich „gut“ für meine Kühe, ist also gar nicht so leicht zu beantworten. Letztlich muss sich jeder Almhirt diese Frage selbst vorlegen, seinem Alm-Gewissen sozusagen. Natürlich gibt es gewisse objektive Kriterien, gibt es erkennbare Anzeichen dafür, dass es Kühen gut geht. Ich würde sagen, das Wort Zufriedenheit sagt hier viel aus. Du siehst einer Kuh ihre Zufriedenheit an, oder eben nicht. Eine Kuh lässt es dich schon wissen. Aber: Auch der beste aller Hirten wird seinen Kühen Momente nicht ersparen können, wo sie Schmerzen haben, wo sie es lieber irgendwie anders hätten oder etwas anderes hätten und sei es einfach mehr vom „Leckerli“. Das meine ich nicht. Auch unsere Kühe leben nicht (mehr) im Paradies. Aber in einer Art „Vorhölle“dann, wenn ihr Hirt das, was sie ihm zu verstehen geben, einfach ignoriert.  Wer das tut auf der Alm, ist kein „guter“ Hirt und er wird keine Freude haben und seine Kühe ebenfalls nicht.

Eine andere Frage, wäre die, ob ich gut bin für die Alm? Dass wir alle hier, die wir ein Team sind, gut sind für die Alm, steht für mich außer Frage. Ohne uns gäbe es sie gar nicht, die Alm. Wir Hirten und Hirtinnen und unsere Vorfahren als Almverantworztliche seit Generationen über Generationen und unsere Kühe und deren Vorfahren über Generationen und Generationen haben das alles hier heroben im wahrsten Sinn des Wortes erschaffen und erhalten es. Das ist „gut“ und erinnert irgendwie an die berühmten Worte in der Genesis, die Gott gesprochen hat, nachdem er nach und nach alles geschaffen hatte: „Und Gott sah, dass es gut war.“

Also, auch wenn ich nicht, wie der gute Hirt im Johannesevangelium mein Leben hingebe für meine Tiere, so sind es immerhin 12 Sommer bislang, die ich mich in ihren und der Alm Dienst gestellt habe. Etwas, das mich mit all meinen fleißigen Kolleginnen und Kollegen im Hier und Jetzt, die auf der Alm ihren Dienst tun verbindet und mit den Ungezählten, die das vor mir getan haben. Das erfüllt mich mit Ehrfurcht, Freude und ein wenig Stolz. Amen.

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